Der 2 Monats-Geburtstag

Am Ende des Jahres

Es ist dunkel draußen. Lichter leuchten in den Fenstern, in den Häusern.
Weihnachten steht in den Startlöchern.

Heute hat Andrargs Schriften 2 Monats-Geburtstag.

Diesen Satz muss ich mir auf der Zunge zergehen lassen. Aber es ist kein „schon“ zwei Monate, sondern ein „erst“ zwei Monate. Denn gefühlt hat sich die Erde einmal komplett um die Sonne herum gedreht seit dem 20.Oktober. Vielleicht bin ich heute auch einfach nur etwas müde.

Doch – lass mich dich ein Stück zurück mitnehmen. Lass uns einen Zeitsprung machen.

Voilà: Wir sind kurz im Jahr 2018. Ich bin wieder in der Anästhesie tätig. Ich habe meine ersten Kurzgeschichten veröffentlicht. Ich habe die wahnwitzige Idee, einen Roman zu schreiben. Siehst du mich?
Ich geh mal hin und rede mit mir:

„Eva, wie geht’s dir? Was macht das Schreibent?“

Die 2018-Eva sieht mich an und öffnet den Mund.

„Nein“, unterbreche ich sie. „Nicht der Rede wert. Ich bin Ende 2025 Eva. Antworte einfach. Und dann verrate ich dir ein Geheimnis, auch wenn du es danach wieder vergisst.“

„Mir gehts – hm, ein auf und ab? Ich hab mal gehört, die Frage ist eine Höflichkeitsfrage und es ist ausreichend, wenn man sagt, danke gut. Ist nicht alles gut, aber danke gut. Und das Schreiben? Ich bin gerade dabei, Szenen dazu zuschreiben. Nachdem mein Buch nur ein Skelett ist, muss da wohl noch einiges dran.“

Ich nicke, sehe sie an.

„Dann verrat mir nur kurz noch eins: Warum schreibst du ausgerechnet Andrarg?“

„Komische Frage! Er ist doch der Protagonist der Geschichte. Oder willst du wissen, wieso er Andrarg heißt? Erinnerst du dich nicht mehr? Ich habe einfach nur einen Namen mit A gesucht und das Wort ist mir so in den Sinn gekommen. Sag nicht, du hast den Namen geändert!“

„Nein, keine Sorge. Er heißt immer noch Andrarg. Was ich wissen wollte, war, warum ein solcher Charakter? Warum kein Held?“

„Ist er das nicht? Hm, wohl nicht im klassischen Sinne. Ich ja auch nicht. Ich bin auch kein Held.“

Ich nicke. „Und die Welt ist dunkel. Aber manchmal scheint Licht. Heute ist das Buch „Andrargs Schriften Teil 1“ 2 Monate veröffentlicht.“

Das sitzt. Ich sehe es. Komm, wir lassen 2018 Eva mit dieser Info wieder alleine. Sie muss das erstmal verarbeiten.

Ich könnte dich jetzt mitnehmen nach 2019, wo ich den Verlagsvertrag bekommen habe.

Oder nach 2020, kurz VOR der abgesagten Leipziger Buchmesse, wo ich mich darauf gefreut hatte, zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse zu lesen.

Oder mit nach 2021, wo mein größter Wunsch und ein Riesenglück in Erfüllung ging und ich meinen ersten Sohn bekommen habe. Mittlerweile sind es 2 und das Glück mehr als doppelt so groß.

Lass uns kurz 2022 Eva besuchen, ja? Sie wird Augen machen.

Da sind wir schon.
„Hallo Eva.“

„Äh, hallo ich? Sag bitte, das endlich Zeitmaschinen erfunden wurden!“

„Nein, aber im Schreiben ist alles möglich. Apropos Schreiben: Wie läufts?“

„Och ne, hör bloß damit auf. NICHTS kann ich mehr, seit ich ein Kind bekommen habe. Ich glaube, meine Fähigkeit ist WEG. Ich hab versucht, wenigstens eine kleine Kindergeschichte zu schreiben und selbst das kriege ich nicht hin. Immerhin kann ich Gute-Nacht-Geschichten erzählen. Aber meine Finger haben vergessen, wie eine Tastatur zu bedienen ist. Computer? Was ist das?“

Ich lege ihr meine Hand auf die Schulter. „Keine Sorge.“ Ich streichel über den Rücken. „Du wirst noch ein paar Umwege machen. Aber bevor du mit Nr 2 schwanger wirst, schreibst du endlich weite Teile von Andrargs Schriften weiter. Und dann, wenn Nr 2 so ein halbes Jahr alt ist, da packt es dich. Du legst endlich los. Du beschließt deine Rückkehr. Und deine Finger wissen ganz ganz genau, was zu tun ist. Und heute, der Tag von dem ich zu dir komme, ist dein erster Roman seit 2 Monaten zu kaufen.“

Sie guckt mich an. Und weint. Und lacht.

2025.
Was für ein Jahr.


Ich habe es nicht gewusst. Ich hatte fest vor, Bettina zu sagen, wir sollen es noch ein Jahr verschieben.

Weil ich doch keine Zeit habe. Keine Zeit auf Messen zu fahren, keine Zeit mein Buch zu bewerben. Und das war meine innere Bedingung. Denn ich wollte nicht nur ein Buch schreiben und veröffentlichen, ich wollte und will, dass es gelesen wird. Dass es Menschen berührt. Dass es wirklich da draußen ist.

Und dann kam die verrückte Idee, dass ich im Oktober zum BuchmesseCon fahren könnte.

Ganz ehrlich? Ich weiß nicht, woher ich auf einmal den Mut hatte, mir mit zwei Kindern zuzutrauen, was mir bei einem Kind vollkommen unmöglich erschien.

Aber im Mai diesen Jahres habe ich Bettina gefragt, ob sie meint, dass wir es bis Oktober schaffen können. Und als sie ja gesagt hat, da habe ich mein Leben umgekrempelt.


Hättest du mich Anfang des Jahres gefragt, hätte ich dir gesagt, dass ich nur morgens schreiben kann, weil ich abends zu müde bin. Weil es nicht mein Rhythmus ist. Ich hätte dir gesagt, dass ich besser weiterhin jeden Abend mit den Kindern ins Bett gehe, weil es besser zu mir passt.

Aber morgens aufstehen ging nicht, weil mein Großer selbst wenn ich um 4 Uhr aufgestanden bin, plötzlich immer mit auf der Matte stand. Nur war da dieser Wunsch es bis Oktober zu schaffen und dafür musste ich schreiben.
Also bin ich aufgestanden. Nicht morgens, was für mich leicht gewesen wäre, sondern abends. Und habe mich hingesetzt. Einen Plan für Insta gemacht. Angefangen irgendwie wieder da zu sein in der Buchwelt.
Mich hingesetzt und überarbeitet.

Und da war so irre viel zu tun.
6 Jahre machen einen Wahnsinnsunterschied. Nicht, weil meine Idee von Andrargs Schriften sich geändert hätte, sondern weil ICH mich verändert habe. Und zwar drastisch.

Ich habs gemacht. Habe jeden Abend geschrieben.

Habe mir eine Rüstung gekauft (davon hatte ich 2019 schon geträumt).
Bin mehr und mehr in mein Buch eingetaucht.
Habe die Welt dahinter Stück für Stück ausgebaut.
Das Seltsame daran war und ist, dass ich es nicht beabsichtigt hatte. Ich wusste, was dem Buch fehlt und je tiefer ich überarbeitet habe, desto wichtiger war es, in der Welt Dinge zu klären. Wie die Frage:
Was macht eigentlich ein Krasos so den ganzen lieben langen Tag – zumal er nicht schläft.
Oder die Fragen:
Wie geht es eigentlich Andrargs Schwager? Was haben die Wächter mit Andrarg gemacht, als sie herausgefunden haben, dass er Kontakt zu seiner Familie hatte?

Eines nach dem anderen kam hinzu. Die Glyphen wurden sichtbar. Und damit auch die Idee, es auch für den Leser sichtbar zu machen.
Meine alte Website war nicht mehr sinnvoll. Newsletter konnte ich dort nicht richtig einbinden. Also musste eine neue her.

Die To Do Liste wurde länger, die Zeit knapper. Das Zubettgehen immer später.

Die Anspannung vor der Veröffentlichung stieg.

Was wäre, wenn absolut niemand Andrargs Schriften mag? Wenn es gar keiner lesen will? Wenn es nicht gesehen wird?

Es war mir egal, was mein Kopf für doofe Sorgen produziert hat. Ich habe mich jeden Abend hingesetzt und tu es noch.
Die Tage, die ich seit Juni NICHT an meinem Schreibtisch gesessen habe, lassen sich glaube ich an 2 Händen abzählen.
Und selbst an diesen Tagen hat mich Beormere nicht mehr losgelassen.

Und dann war es vor zwei Monaten soweit: BuCon und mein Buch.
Ich habe an anderer Stelle ausführlich darüber berichtet, lies ruhig nach.



Seitdem?
Habe ich meine Website gebaut.

Nur ist es nicht mehr „nur“ eine Website, sondern es ist Beormere Archives. Ein literarisches Webspiel, mit Quests und XP, Entscheidungen und Gefühlen.

Habe Beormere Archives um Patreon ergänzt, damit jeder, der möchte, noch mehr davon bekommt.
Habe Event-Ideen aufgebaut – das erste Event steht kurz bevor.
Habe Newsletter geschrieben.
Habe Büchertauschs gemacht.
Habe eine Lovelybooks-Leserunde gestartet.

Und es kommt – nahezu – jeden Tag etwas zurück.
Reaktionen von Lesern.
Von Insta.
Von meinem Newsletter.

Ein Muss für alle, die Grimdark lieben und keine Angst davor haben, emotional an dunkle Orte geführt zu werden. Mich fasziniert der Auftakt.

Bekenner, Dezember 2025

Und wenn ich an diese Reaktionen denke, dann kann ich das hier nur mit Tränen schreiben. Vor lauter Überwältigung und Dankbarkeit.

Da draußen sind Menschen, die mein Buch lieben!
Die meine Welt sehen.
Die Beormere Archives gesehen haben.

Ich danke absolut jedem einzelnen von euch!

Ein atmosphärisches, packendes Werk, das deutlich länger nachhallt, als seine Seiten dauern.
Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Teil.

Laura, Dezember 2025

Das Schreiben und Bauen hier ist für mich kein Hobby mehr. Es ist mir ein Beruf geworden. Ich achte nicht darauf, ob ich gute Laune, oder schlechte Laune habe. Keine Zeit oder Zeit. Inspiration oder Motivation oder was man sich so wünschen kann.

Ich stehe abends nach der Einschlafbegleitung auf und gehe an den Schreibtisch. Und wenn ich 20mal unterbrochen werde. Egal.

Ich komme von Konzerten oder anderen Aktivitäten nach Hause und solang Mitternacht noch nicht überschritten wurde, setze ich mich an meinen Schreibtisch.

Ich hasse Tage, an denen ich durch krank sein komplett verhindert bin.
Ich hasse Tage, an denen ich nur an der Technik gebastelt habe und deswegen das Gefühl habe, nichts geschafft zu haben.


Meine ToDo Listen sind ellenlang geworden, mein Kopf hat Mühe, sich im Alltag auf Alltag einzustellen. Und ich fühle mich ganz oft so, als würde ich zwei Leben führen.
Eines, in dem ich Mama, Ehefrau und Ärztin bin.
Und das andere – Beormere.

Vielleicht denke ich deshalb, dass es absolut nicht sein kann, dass erst zwei Monate seit Veröffentlichung vergangen sind.
Vielleicht wundert es mich deshalb, dass noch nicht Band 2 bis 4 draußen ist, obwohl ich die Geschichte doch in mir trage.

Für mich ist dieses Jahresende kein Ende.

Ich blicke zurück und staune – ja.

Aber vor allem blicke ich nach vorne und seh die 100.000 Dinge, die auf mich warten. Die nach mir rufen und mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern, und wenn ich noch so müde bin.

Ich warte ungeduldig auf März, wenn es zur Leipziger Buchmesse geht.
Auf April, wo – so denn alles gut geht – Teil 2 kommt. Und der Marburg Con, auf den ich mich soooo krass freue.
Ich warte auf Teil 3 und Teil 4 (okay, der kommt mit Sicherheit nicht mehr 2026).
Ich freue mich und bin so gespannt auf die kommenden Büchertauschs auf Insta, auf neue Rezensionen, neue Leserstimmen.

Wenn du mit mir zusammen 2026 erleben willst, dann trag dich in meinen Newsletter ein.

Und wenn du mir jetzt, am Ende von 2025, sozusagen zu Weihnachten, einen Wunsch erfüllen magst: Dann erzähl von Beormere. Damit es die finden, die es brauchen.

Danke.
Dass du da bist.
Dass du über Andrarg redest.
Dass du nach Beormere kommst.

Kleiner Nachsatz:
Nein, ich habe nicht alle aufgeschrieben, was 2025 passiert ist. Denn ich wollte, dass du eine Chance hast, diesen Text bis zum Ende zu lesen und noch vor 2026 fertig zu werden.

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