Bärentaler Wassersprung
Bärentaler Wassersprung
Es ist dunkel und du machst dich auf den Weg zum Bärentaler Wassersprung. Elanja hat dir den Ort beschrieben und auf deiner Karte eingezeichnet.
Der Weg dorthin ist ein schmaler Pfad, der sich von deinem Lager aus nach Südosten schlängelt. Die Bäume scheinen miteinander zu flüstern, die Gräser am Wegrand streichen um deine Beine.
Nach einer Weile hörst du ein Rauschen, das immer lauter wird.
Du gelangst auf ein kleines Plateau, von dem sich ein Wasserfall nach unten stürzt. Dort unten scheint der Ort zu sein, den Elanja gemeint hat. Ganz sicher bist du dir wegen der Dunkelheit nicht.
Doch bevor du den Weg gefunden hast, der hinunterführt, taucht vor dir ein Mann auf.
Er ist ungewöhnlich groß, sehr schlank und trägt eine schwarze Lederrüstung und einen schwarzen Mantel. Als er näher kommt, siehst du, dass sich auf seinem Gesicht schwarze Linien zu Mustern fügen. Auch seinen Hals laufen sie hinab und verschwinden unter seiner Rüstung.
Als er seinen Blick auf dich richtet, zuckst du zusammen. Obwohl es dunkel ist, meinst du in seinen Augen Blitze zu erkennen.
„Was suchst du hier?“, fragt er dich. Etwas klingt durch seine Sprache hindurch, nicht ganz ein Akzent, eher eine Härte, die die Wörter schärfer werden lässt.
„Es ist mitten in der Nacht. Warum bist du überhaupt noch unterwegs?“
Du starrst immer noch seine Augen an. Dann wandert dein Blick über die schwarzen Muster und bleibt schließlich an seinem Mantel und seiner Rüstung hängen. Sie scheint sich um ihn herum zu bewegen, als wäre sie flüchtig. Ein Stück Stoff im Wind.
Du schaust auf deinen eigenen Mantel, der still herunterhängt. Kein Lüftchen, das ihn bewegen würde.
„Gehörst du einem Orden an?“, hakt der Fremde nach, obwohl du ihm noch keine Antwort gegeben hast.
„Nur ein Gedanke.“ Du spürst immer noch keinen Wind auf deiner Haut, aber du hörst ihn in deinen Ohren sausen. Unwillkürlich machst du einen Schritt zurück.
„Hast du das Silberblatt gesehen?“, fragt der Fremde dich und macht einen so großen Schritt auf dich zu, dass er näher steht als vorher. Ein scharfer, metallischer Geruch zieht zu dir herüber, als ob Gewitter in der Luft liegen würde. Es lenkt dich beinahe von seiner Frage ab.
Der Fremde hebt seine Hand. Der Wind nimmt zu, den du in deinen Ohren hörst.
„Das Silberblatt, ja. Du weißt etwas. Sag es mir!“
„Ich bin auf der Suche nach dem Silberblatt.“ Du wunderst dich selbst, dass du redest. Der Drang zu antworten, scheint von innen heraus zu kommen. „Ich wurde hierher geschickt.“
„Von wem?“
Das Sausen in deinem Kopf nimmt zu, ein Druck, der deine Zunge, deinen Mund bewegt. Aber du kannst dich bremsen. Nur ein einzelner Satz kommt dir über die Lippen, statt der ganzen Geschichte, die hervorbrechen will.
Du hörst immer noch das Rauschen. Deine Sicht verschwimmt leicht, als würde ein Sturm vor deinen Augen entstehen. Dann ist es plötzlich wieder ruhig.
„Du bist sicher, dass du keinem Orden angehörst?“, hakt der Fremde nach.
Du schüttelst den Kopf.
„Hm.“ Der Fremde legt den Kopf schief. „Ich nehme an, du weißt, wer das Silberblatt ist, wenn du auf die Suche nach ihm geschickt wurdest. Wenn du ihn findest, ruf mich! Ich muss mit ihm sprechen!“
„Ich bin auf der Suche nach dem Silberblatt.“ Du wunderst dich selbst, dass du redest. Der Drang zu antworten, scheint von innen heraus zu kommen. „Ich wurde hierher geschickt.“
„Von wem?“
Das Sausen in deinem Kopf nimmt zu, ein Druck, der deine Zunge, deinen Mund bewegt. Du schließt deine Augen, um deine Kraft zu sammeln, aber stattdessen spürst du, wie deine Ohren taub werden. Du willst reden. Ein Wille, der immer stärker wird.
„Meavan hat mich geschickt. Ich soll Kendirael finden, der auch das Silberblatt genannt wird. Und hier in Brynfurt wurde mir gesagt, dass er hier am Wassersprung zu finden sei.“
Dir wird flau, aber der Druck lässt plötzlich nach.
„Meavan“, wiederholt der Fremde. Eine Gänsehaut zieht über deinen Arm, aber der Druck in deinen Ohren und das Rauschen sind verschwunden.
„Wenn du mehr weißt, oder ihn findest, ruf mich.“
Der Fremde holt etwas aus seiner Tasche. Es ist eine kleine Flöte. Du nimmst sie entgegen.
„Pfeif dort hinein, und ich werde dich hören, solang du in der Nähe von diesem Ort hier bist.“
Kaum hat er es gesagt, verschwindet er. So schnell, dass du dich fragst, wie das möglich sein sollte.
Als er fort ist, grummelt es in deinem Bauch.
Du kehrst in dein Lager zurück.
Kehre zu Deinem Reisetagebuch zurück und sieh nach, welche neuen Einträge sich ergeben haben.
Außerdem kannst du von dort wichtige Orte immer wieder aufsuchen.
