Ein letztes Lied
„Sarphaeus hatte seine Wahl getroffen. Er lächelte schief und kippte einen Becher Schnaps in einem Zug runter. Dein Tod wird nichts ändern, aber ich werde mich etwas besser fühlen. Vielleicht für einen Tag – oder zwei.“
Litha schreibt auf ihrer Website etwas über sich, das ich gelesen habe, und bei dem ich wusste, dass wir zwei ähnlich ticken:
Gewalt ist etwas, das mich als Autorin bewegt. Mich bewegt, was mit denen geschieht, die Gewalt erfahren. Aber auch, wofür Menschen kämpfen und was es mit ihnen macht, zu töten.
Sie hat sich mit Krieg und Terror beschäftigt und ist – ebenso wie ich – der festen Überzeugung, dass niemand nur „gut“ oder „böse“ ist.
„Ein letztes Lied – Die Gefallenen“ hat mich von der ersten Seite an gepackt und immer weiter mitgerissen. Die Geschichte verrät eine Art zu denken, das Leben wahrzunehmen und zu hinterfragen, die mir nahe steht.
Gleichzeitig ist das Buch wirklich beste Fantasy. Mit einer komplexen Welt, magischen Wesen, Konflikten, die in Glauben und Völkertradition angelegt sind. Es ist sogar so, dass an dieselben Götter von unterschiedlichen Völkern geglaubt werden kann und diese trotzdem einander abwerten. Kurz, wie im wahren Leben, aber phantastisch.

Sarphaeus ist witzig, nachdenklich, süchtig und süchtigmachend. Gescheitert und trotzdem auf dem Weg, mit einer fundierten Geschichte, bei der klar wird, das Gewalt nicht nur weil ist halt böse passiert, sondern mit Grund.
Varna ist naiv, jung und trotzdem mit einer inneren Stärke, die erst langsam anfangen darf zu scheinen. Geformt, gestählt im Feuer.
Was soll ich sagen, das Buch hatte mich spätestens, als ganz am Anfang ein Drache vorkam. Es überrumpelte mich damit, dass Sarphaeus ein Sänger ist und nahm mein ganzes Herz mit, als ich von Elfen, Nachtelfen und Göttern lies, die – wie schrieb Litha es so auf den Punkt – ihre wahre Härte erst durch die Menschen gelernt hatten.
Das Buch ist nicht nur dick, sondern es wiegt auch schwer, weil es viele Fragen anschneidet, mit denen man sich nur dann beschäftigen darf, wenn man es aushält, die Augen nicht zuzumachen.
Wenn du einfach nur in eine fantastische Welt entführt werden willst, ohne zu denken, ohne bewegt zu werden, dann lies es nicht. Wenn du Gewalt nicht aushältst, dann lies es nicht.
Gibt es Hoffnung?
Ja, doch und die leuchtet durch das ganze Buch und strahlt am Ende umso heller.
Wenn ich eins kritisieren müsste, dann, dass ich mir das Ende düsterer hätte vorstellen können. Aber die Geschichte ist nicht vorbei und ich warte auf den nächsten Teil. Wehe Litha, falls es den nicht gibt!
Also: wenn du das Buch noch nicht gelesen hast, wenn du es noch nicht besitzt, dann gehe jetzt überall dorthin, wo man Bücher kaufen kann – und bestell Sarphaeus einen schönen Gruß von mir.
Ich werde ihn definitiv nie vergessen.
»Entscheide dich: Willst du ein guter Mensch sein – oder ein allmächtiger Gott?«
Einst war Sarphaeus ein machtvoller Chaosmeister: Allein mit seiner Stimme lenkte er die Geschicke der Sterblichen. Sie folgten seinen Liedern in zahllose Schlachten, um dort für ihre Götter in den Tod zu gehen – bis er selbst zur Sterblichkeit verdammt wird. Als Halbblut verachtet, schlägt er sich als Barde und Dieb auf den Straßen Hylcraturs durch und versucht, sein altes Leben hinter sich zu lassen.
Seine einzige Verbündete ist Varna, Heilerin und geächtete Priesterin der Göttin Lith. Noch immer den Lehren ihres Ordens verbunden, überzeugt sie ihren Freund davon, nach den Schriften eines Propheten zu suchen, der angeblich das Ende aller Kriege vorausgesagt hat. Eine Mission, an der Sarphaeus jedoch aus guten Gründen zweifelt.
Auf ihrer Reise holt ihn seine gewaltvolle Vergangenheit ein und wächst zu etwas Dunklem, das die Welt zu verschlingen droht.
„Ein letztes Lied – Die Gefallenen“ ist ein düsteres Fantasy-Epos über Schuld, Verrat und eine Welt im Schatten gnadenloser Götter.
Komplexe Charaktere, moralische Grauzonen und eine Welt voller Verrat, Intrigen und innerer Konflikte – und nicht zuletzt eine Geschichte über Gewalt und ihre Konsequenzen.
Ein letztes Lied
„Das Buch ist gut. Aber ich muss schon sagen, die Kritik an den Göttern. Sie werden auseinandergenommen wie Menschen. Sie haben Stärken und Schwächen. Das erscheint mir nicht glaubwürdig. Varna ist ihrer Göttin treu, sie zeigt die richtige Haltung. Dass Sarphaeus selbst ein Gott gewesen sein soll?! Armes Land, in dem ein Gott trinkt und Drogen konsumiert und Bindungen zu Frauen eingeht. Die Paladine, die scheinen mir recht aufrechte Menschen zu sein. Und doch wird über sie gesprochen, als wären sie ungerecht in ihrer Art. Nein, so ganz konnte mich das Buch nicht überzeugen. Es wackelt doch sehr an den Grundpfeilern des Glaubens und wenn wir den nicht mehr haben, woran sollen wir uns orientieren?“
Ein letztes Lied
„Ein letztes Lied ist das richtige Buch, um sich in eine Höhlenecke zurückzuziehen und die Welt zu vergessen. Und genau das habe ich getan. Einen Tag lang war ich nicht zu finden. Bei allen Schatten, ich brauchte nicht einmal Yll zum träumen. Das Zeug, das Sarphaeus nimmt, das hätte ich gerne. Den Kontakt zur Weltenseele. Ob es so etwas bei uns auch gibt? Ich spüre die Magie in der Unterwelt fließen, aber was dahinter kommt? Dafür müsste ich wohl ein Gott sein. Noch lieber allerdings würde ich den Drachen begegnen und denen, auf deren Seite sie stehen. Ich könnte mir vorstellen, dort einige gute Aufträge zu bekommen. Und natürlich gäbe es viele Lieder, die ich über dieses Buch singen könnte. Wer weiß, vielleicht schreibe ich tatsächlich mal eines.“
Über die Autorin
Die gebürtige Düsseldorferin lebt seit ihrem Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin. Die Themen Krieg und Gewalt beschäftigen sie seit ihrer Jugend. Litha Nova, die unter Pseudonym schreibt, hat u. a. einige Jahre als Redakteurin für die Bundeswehr gearbeitet; als 1977 Geborene sind die Auswirkungen von Krieg und Flucht zudem Teil ihrer Familiengeschichte. Literarisch schon immer ambivalenten Charakteren verbunden, ist es ihr wichtig, dass auch Fantasy-Literatur nicht nur aus glorreichen Helden und finsteren Bösewichten besteht, sondern kluge Geschichten erzählt. Deshalb liebt sie die Grauzonen des Genres, aber auch Klassiker wie die Dramen von Shakespeare, Goethes Faust und Mary Shelleys Frankenstein. www.litha-nova.de
Quelle: Verlag / vlb
Ihr findet sie auch hier auf Instagram: @lithanova_autorin
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