Kalevala
»Ein Kreuz«, rief Marjatta triumphierend. »Es ist das Zeichen des Herrn, Jesus Christus, und darum heilig. Versucht es wenigstens. Ich wollte schon lange ein Kreuz aus Eisen haben, das ich an einer Kette um den Hals tragen kann. Würdet ihr eines für mich schmieden? Es würde die Welt für mich bedeuten!«
Zogen ein Schmied, ein Krieger und ein Zauberer in das kalte Land im Norden, um eine mächtige Zauberin aufzuhalten…
Oder auch: Als der Zimmermannsgott nach Norden schritt…
Zungenbrechernamen, der Kampf um ein Land, persönliche Siege und Verluste.
Der alte Weg mit all den Zwergen, Riesen, Feen und Zauberern.
Das Christentum, mit Gedanken von Scham und Sünde, aber eben auch Hoffnung.
Eine Geschichte zwischen Fantasy und Historie.
Tief durfte ich eintauchen in das gut geschriebene, komplexe Werk von Jamie Fowl. Mit Figuren, die mich auch jetzt, Tage nachdem ich dass Buch vollendet habe, noch nicht losgelassen haben. Die mich überrascht haben, gerade nochmal im letzten Teil.

Es ist kein Buch, das man mal eben an einem Abend wegliest. Es nimmt sich Raum, hakt sich in dir fest und fordert einen zum Weiterlesen auf.
Besonders geliebt habe ich die Geschichte rund um Vainamoinen, der irgendwie zentral aber eine zeitlang auch sehr am Rande auftritt. Es hat mich immer wieder an die Nebel von Avalon erinnert, wo auch die alten Wege versucht werden am Leben zu bleiben, während sich nach und nach das Christentum durchsetzt. Die Idee, dass ein Ein-Gott-Glaube so viel anderes verdrängt, hat mich schon immer fasziniert und auch jetzt frage ich mich noch: Was war die Macht hinter den Worten, die den Menschen so viel gegeben, so viel bedeutet hat. Gerade darum dreht sich der letzte Teil von Kalevala.
Kurz vor Ende bekam ich noch einen kleinen Schreck und eine leise Stimme rief, nein, nein, nein.
Lest selbst nach, ob ich aufatmen durfte.
Während mich der Anfang und das Ende mitriss, hatte der mittlere Teil einige Längen, was aber vor allem daran liegt, welchen Aspekt der Geschichte man am liebsten mitverfolgt. Denn es ist von allem etwas dabei: Gebrochene Herzen (nein, keine Liebesgeschichte in dem Sinne, aber dennoch spürbare Verluste), der mythologische Teil, die inneren und äußeren Kämpfe eines Kriegers, die Machtgier und deren Auswirkungen.
Wenn du also gerne Fantasy mit Historie vermischst, eine – zumindest für mich – recht unbekannte Erzählung unserer Welt lesen willst, erleben möchtest, wie sich die Charaktere unter Druck verändern, dann nimm dieses Buch. Es lohnt sich.
In Kalevala verblasst eine alte Ordnung. Von Süden her verbreitet sich das Christentum und mit ihm schwindet die Macht der Magie, der Mythen und der alten Götter.
Im Norden sucht die Zauberin Lohui nach Wegen, um die Christen zurückzudrängen. Sie will den Sampo schmieden lassen, eine Zaubermühle, die Gold, Salz und Getreide erschaffen kann – und ihrem Besitzer eine gewaltige Macht verleiht.
Der Zauberer Vainamoinen stellt sich ihr entgegen und sammelt Verbündete: Den Schmied Ilmarinen, der das Eisen singen hört, und den rastlosen Krieger Leminkainen, der sich auf die Suche nach Rache begibt.
Kalevala – Das Zwielicht der Götter ist ein eindrucksvolles Retelling des Mythos
Kalevala
„Ein Werk alter Stärke. Das Durchsetzen eines geregelten Glaubens, der Sieg über finstere Magie und all das mit einer Prise Vergangenheit. Dieses Buch ist wie ein gut gereifter roter Wein. Man muss es ernst nehmen und in Ruhe lesen. Dann wirkt es. An ein paar Stellen hat es Längen, aber insgesamt ist es wohldurchdacht mit einem guten Ausgang.“
Kalevala
„Ein Hauch mehr dunkler Humor und etwas mehr Magie aus den alten Wegen hätte der Geschichte nicht geschadet. Von ihnen bekommt man beinahe zu wenig mit. Die Geschichte des Christengottes nimmt mich nicht so mit. Dieser Gott klingt nach strikten Regeln, nach einem Halt für die Menschen und nach einem Ende der Freiheit. Mag sein, dass er Trost und Schutz bietet, aber verstehen kann ich das nicht. Ich kann dafür den Krieger umso mehr verstehen, viel besser noch als den Schmied, der mir etwas zu selbstleidend ist. Der Krieger, der weiß wofür er kämpft, was er will und braucht und er geht seinen Weg. Auf jeden Fall hat mich das Buch viele Stunden lang unterhalten.“
Über den Autor
Jamie Fowl, geboren 1995, ist Reiseführer in Welten voller Fantasie, die junge Leser:innen zum Träumen einladen. Sein Debüt, eine literarische Reiseerzählung, entstand aus einer einjährigen Weltreise und wurde erfolgreich über Crowdfunding veröffentlicht. Seitdem schreibt Jamie Romane und Jugendbücher an außergewöhnlichen Orten – von den nebelverhangenen Highlands bis zu den sonnendurchfluteten Kanaren. Sein Ziel: Die Leser:innen in ihrer Fantasie an noch fantastischere Orte zu führen.
Mit seiner Frau und seinem Sohn lebt Jamie in Heidelberg, wo er an neuen Geschichten feilt, die junge und erwachsene Leser:innen mitnehmen – auf eine Reise voller Magie, Geheimnisse und großer Emotionen.
Instagram: @jamiefowl
Du atmest tief durch und kehrst zurück zum Buch der Rezensionen. Es sei denn, du gönnst dir lieber einen Stirnheimer Whiskey in Aethels Taverne.
