Prince of Thorns
Broken Empire 1

Er ist zehn, als er von zuhause fort rennt. Er ist zehn, als er das erste Mal einen im Stich lässt, um sein Ziel zu verfolgen. Er ist zehn, aber er hat schon genug Gewalt erfahren, dass ein Teil von ihm innen drin gestorben ist.

„Prince of Thorns“ von Mark Lawrence hat mich gefesselt, schockiert, zum weinen und schlucken gebracht und restlos begeistert.

Wie schon angekündigt, möchte ich immer wieder mal bekannte und weniger bekannte Grimdark Bücher vorstellen.

In einem Interview erzählte Mark Lawrence, dass seine Buchidee gerade in eine Zeit fiel, als die Verlage etwas suchten, das nach Joe Abercrombies „First Law“ gut passen würde. Er sagte, es war Zufall und auch Glück, aber nachdem ich das erste Buch seiner Reihe nun gehört habe, muss ich sagen, es war vor allem auch verdammt viel Talent.

Die Geschichte wird von Jorg, Prince of Ancrath erzählt und er ist ein wirklich kaputter Charakter. Er trägt in sich Trauma und Verlust und noch mehr, das ich an dieser Stelle nicht verraten will, um nicht zu spoilern.
Ich habe das Buch auf Englisch gehört und die Sprache sehr geliebt. Sie ist bildreich, auf den Punkt und verliert sich doch nicht in den Beschreibungen.
Ein großes Lob geht an dieser Stelle auch an den Hörbuchsprecher, Joe Jameson, der es versteht, mit seiner Stimme die Figuren zum Leben zu erwecken.

Prince of Thorns Cover

Warum ist das Buch Grimdark?

The Broken Empire, das Reich, in dem die Geschichte spielt, besteht aus 100 auch bekämpfenden Königreichen. Das allein macht natürlich kein Grimdark aus, sondern die – teilweise zynische – Auseinandersetzung mit den Machtstrukturen, die dahinter liegen. „Es ist ein Spiel und ich werde dieses Spiel gewinnen“, sagt Jorg. Hinter diesem Satz, der mich zunächst an Game of Thrones erinnerte, steckt noch mehr. Jeder der es gelesen hat, weiß wovon ich spreche > ansonsten lesen. Die Welt ist nicht einfach nur ein Hintergrund, sie ist ein zentraler Motor. Sie führt zu grausamen Figuren wie Jorg.

Was in dieser Geschichte gezeigt wird, ist wie jemand überlebt und dann mit den Folgen davon zurecht kommen muss. Es wird nichts beschönigt, nichts geglättet. Sondern Konsequenzen dessen gezeigt, wozu Gewalt führt: zu noch mehr Gewalt.
Dem Versuch, aus einer von Krieg übersäten Welt auszusteigen, indem man alle und alles gewinnt.

Einer der Sätze, die mir am meisten hängen geblieben sind, ist: du musst ein besseres Ziel finden, als nur zu gewinnen.
(Frei übersetzt und wiedergegeben)

Als Leser (oder Hörer) kannst du entweder davor zurückschrecken, wie der Protagonist ist, oder aber verstehen, wie sich das Buch gekonnt damit auseinandersetzt, was Grausamkeit, innere Dissoziation und der Verlust von Sicherheit bedeuten kann.

Das Buch lebt über eine ineinandergreifende Erzählweise von jetzt und vor vier Jahren und baut so eine unheimliche Spannung auf, weil man nach und nach versteht, was eigentlich geschehen ist.

Ich will nach diesem Buch auf jeden Fall wissen, wie es mit Jorg weitergeht. Und ob er doch noch irgendwie entweder ein Stück inneren Frieden lernen darf, oder aber in der Lage ist, etwas Gutes für die Welt zu tun. Denn das ist eines dieser Dinge, das Grimdark ausmacht: du gehst mit einem Protagonisten mit, der grausam ist, der das falsche tut und bleibst trotzdem bei ihm. Weil du verstehst, wie es dazu kommt und weil du trotz allem in dir noch Hoffnung hast, selbst wenn die Welt dazu keinen Anlass liefert.

Denn beim Hören habe ich oft gedacht: „Oh Jorg. Die Welt niederzubrennen wird deiner Seele keine Ruhe bringen und deine Mutter und deinen Bruder nicht wieder lebendig machen.“

Grimdark Fantasy:
Kaputte Welt, wahnsinnige Charaktere (auf jeglich erdenkliche Weise) und ein großer Sog, der dich mit in die Welt der moralischen Ambivalenz hineinreißt

“Prince of Thorns deserves attention as the work of an iconoclast who seems determined to turn that familiar thing, Medievalesque Fantasy Trilogy, entirely on its head.”—Locus

When he was nine, he watched as his mother and brother were killed before him. By the time he was thirteen, he was the leader of a band of bloodthirsty thugs. By fifteen, he intends to be king…

It’s time for Prince Honorous Jorg Ancrath to return to the castle he turned his back on, to take what’s rightfully his. Since the day he hung pinned on the thorns of a briar patch and watched Count Renar’s men slaughter his mother and young brother, Jorg has been driven to vent his rage. Life and death are no more than a game to him—and he has nothing left to lose.

But treachery awaits him in his father’s castle. Treachery and dark magic. No matter how fierce his will, can one young man conquer enemies with power beyond his imagining?

Breanos

Prince of Thorns

Grimdark Fantasy • Mark Lawrence
„Ach Jorg, warum ist keiner da, der dir hilft, den rechten Weg zu finden? Weißt du, warum wir die Magie von den Menschen getrennt haben? Weil sie in sich das große Potential für Grausamkeit tragen und der dunkle Einfluss, den Krasos ausüben, alles nur noch mehr ins Unglück stürzt. Wie in unserer Welt sieht man auch im Broken Empire die grausamen Folgen von Krieg und fehlender Sicherheit, von Liebe gar nicht erst zu sprechen. Was diesem Jungen widerfahren ist, sollte keiner aushalten. Aber was er dann tut? Wäre es nicht eine Geschichte, würde ich sagen, er muss aufgehalten werden, um dem von ihm ausgehenden Übel ein Ende zu bereiten.“
— Breanos, Ausbilder der Wächter
Nerex

Prince of Thorns

Grimdark Fantasy • Mark Lawrence
„Am meisten gefallen hat mir die Sprache. Hautnah konnte ich miterleben, wie Jorg die Welt sieht und empfindet. Habe den gigantischen Crossbow in den Händen gehalten, den Baum selbst zerstört, die Huren gevögelt und den Sohn meines Feindes getötet. Ich war kein unbeteiligter Zuschauer. Ehrlich, meine Schatten wurden stärker allein durch das Lesen und ich bin gespannt, was der nächste Band für mich bereit hält. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass nicht jeder von euch Menschlein für so viel Ich-zerstöre-die-Welt-Energie bereit ist.“
— Nerex, Nidarener Helras

Über den Autor

Mark Lawrence wurde in Illinois (USA) geboren und lebt in Bristol (UK). Bevor den promovierten Mathematiker die Leidenschaft für die Fantasyliteratur packte, arbeitete er im »Star Wars«-Raketenabwehrprogramm. Er war mehrfach für den Goodreads Choice Awards nominiert und ist mit dem David Gemmell Award für den besten Fantasyroman ausgezeichnet worden.

Du atmest tief durch und kehrst zurück zum Buch der Rezensionen. Oder gönnst du dir einen Stirnheimer Whiskey in Aethels Taverne?

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