Chroniken des Lichts
Ruf des Amuletts
„Sollte die Welt eines Tages in Dunkelheit versinken, dann nicht, weil die Schatten sie verschlingen, sondern weil jemand ihnen erlaubt hat, heimzukehren.“
Ein Portal. Zwei Übergänge. Einer davon Flucht, ein anderer Neugier und Zufall. Und dahinter? Auf beiden Seiten eine Familie. Eine, die gegründet wurde und eine, die gefunden wurde.
Alles gehört zusammen, doch ist alles in Dunkelheit verwoben.
Das Buch von Carthin Harrison hat mich vollkommen überrascht. Ich fürchtete eine oberflächliche Geschichte von einem Mädchen, das in unserer Welt nicht gut klar kommt und in einer anderen plötzlich eine Heldin ist. Ich bekam eine packende Geschichte über Charaktere mit Fehlern, mit Zweifeln, mit Kampf darum, weiterzumachen.
Ich fürchtete ein „meine alte Familie ist weg, naja macht ja nichts, hier hast du eine neue“. Ich bekam eine Geschichte über Menschen, die erst lernen müssen, irgendjemandem zu vertrauen, und die es tun, weil sie sonst nicht überleben können.
Ich fürchtete eine flache Welt voller Klischees, und bekam eine gut durchdachte Welt, die systematisch gebaut ist – und wer mich kennt, der weiß, dass das wohl eine der Sachen ist, mit der man mich definitiv packt!

Formen im Dunkel
sie jagen, sie treiben, sie suchen dich
Zwischen den Welten
sie fordern, sie locken, sie rufen dich
Spitzohren, Rundohren
Sie verzetteln, sie verrennen, sie foltern sich
Mitten im Kriege
Sie vergessen, sie verlieren, sie verlassen sich.Nerex, Erstes Viertel
Cathrins Schreibweise ist flüssig, gut zu lesen und mitreißend. Die Kapitel sind weder zu lang, noch zu oft durchbrochen. Okay, ich als Fan langer Kapitel fand es ganz hin und wieder zu kurz und hätte mir eine Einordnung am Kapitelanfang gewünscht, wer jetzt gerade dran ist oder wo wir sind. Aber das ist nur am Rande, weil es den Lesefluss nicht stört und man mit den ersten zwei Sätzen immer gut abgeholt wird. Das ist einfach nur mein innerer Monk, der eben auch äußere Ordnung mag.
Die Charaktere sind tief, haben einen Hintergrund, der erst im Verlauf der Geschichte immer sichtbarer wird und einen am Ende von diesem Buch hinterlässt mit einem „Hey, ich will jetzt mehr darüber wissen!“
Es gab überraschende Wendungen, also wirklich von der Sorte, wo ich dachte: Ach krass! Was?!
Wenn ich über etwas meckern wollte, dann darüber, dass ich die Richtung, in die sich Fin, einer der Protagonisten, entwickelt, fast etwas zu schnell fand. Am Anfang war er sehr hart und verschlossen, zynisch. Das verliert er für meinen absolut persönlichen Geschmack etwas zu schnell. Aber da musste ich jetzt Tage drüber nachdenken, weil ich, nachdem ich das Buch zugeschlagen habe, nichts zu meckern hatte. Gar nichts. Außer, dass das Buch zu Ende war.
Brecht auf zur Kante
Rennt ihr Opfer
Fallt, wie die Steine
Rennt ihr Opfer
Schleicht euch durch die Dunkelheit
Brecht zusammen, lügt, betrügt
Was euch erwartet, ist Vergangenheit
Nehmt die Schuld der Nacht, der Macht
Schreitet über die Schwelle!Nerex, Zweites Viertel
Aber für euch, liebe Leser, noch etwas zur Einordnung:
Das Buch ist Dark Fantasy, atmosphärisch düster gepaart mit psychologischer Düsternis, aber immer noch viel Hoffnung. Es ist schnell, aber nicht übertrieben actiongeladen, das meine ich im besten Sinne. Und es verspricht, im nächsten Teil noch deutlich dunkler zu werden.
Allerdings glaube ich auch, dass am Ende der Serie doch irgendwie alles gut wird. Die Charaktere lassen mich das hoffen. Denn in ihnen ist der Wille, es gut zu machen. Finde ich.
Eine Geschichte, die man wegen der Figuren liest, auch wenn die Welt dazu passt.
Getrennt, bedroht
Versteckt, gefunden
Bröckelnde Steine, Sonnenrot
Finstere Mächte, violett gebunden
Ein Bruder, ein Feind
Rebellen vereint
Gemeinsames Ziel
Nein, nur Hoffnung, die fiel.Nerex, drittes Viertel
Und jetzt, liebe Cathrin, warte ich ungeduldig auf die Fortsetzung.
Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte jetzt zugreifen.
Wobei, lasst es lieber, es sei denn, ihr denkt gerne noch Ewigkeiten an die Charaktere zurück.
Gestern noch steckte Maira zwischen Pizzakartons, Spätschichten und gescheiterten Studienplänen fest. Heute sitzt sie am Lagerfeuer mit zwei Elfen und fragt sich, wie um Himmels willen sie hier gelandet ist. Diese neue, fremde Welt ist ein Pulverfass – vergiftet vom jahrhundertealten Hass zwischen Menschen und Elfen, durchwoben von alter Magie und verdammt gefährlich. Und ausgerechnet diese beiden Elfen sind nun ihre beste – vielleicht einzige – Chance, lebend nach Hause zurückzukehren. Doch je tiefer Maira in die Wirren dieser fremden Welt gerät, desto deutlicher spürt sie, dass die wahre Gefahr nicht auf den Schlachtfeldern lauert. Etwas hat in der Dunkelheit gewartet – auf sie. Und nun flüstert es von Macht. Von Schuld. Von Antworten, die alles verändern könnten. Gefangen zwischen falschen Versprechen und echten Bindungen muss Maira sich einer erschreckenden Wahrheit stellen: Was, wenn sie selbst zur größten Bedrohung wird? Über die Autorin: Cathrin Harrison schreibt epische Fantasy-Welten voller Magie, Geheimnisse und tiefgründiger Figuren. Inspiriert von alten Mythen und der Kraft menschlicher Emotionen, erschafft sie Geschichten, in denen Licht und Dunkelheit nicht nur Gegensätze, sondern Teil eines großen Ganzen sind.
Ruf des Amuletts
„Ein düsteres Erlebnis. Ein Mädchen, das aus seiner Welt hinausgerissen wird und sich einfach an irgendwen klammern muss. Wo bleibt hier die Führung der Götter? Ein Mädchen sollte nicht allein in der Dunkelheit bestehen müssen. Als sie auf die Elfen traf, fürchtete ich um sie und rechnete nicht mit Schutz. Vielleicht ist hier der leise Hauch der Göttin zu spüren gewesen, die mit ihrer lichten Magie für Sicherheit sorgt. Nicht genug. Niemals genug, für jemanden, der sein Zuhause verliert. Mir fehlen hier die Regeln, mit denen verhindert wird, das Schattenwesen beschworen werden. Es zeigt sich einmal mehr, dass Magie nicht unbeaufsichtigt ausgeführt werden sollte. Und das Menschen doch immer gleich sind. Macht führt zu Krieg. Ich warte auf den nächsten Band, voller Hoffnung, dass jemand kommt und wieder Ordnung in das Land bringt.“
Ruf des Amuletts
„Düsternis, Zerreißen, schlechte Entscheidungen. Was könnte ich mehr von einem Buch wollen? Ich hab mich in eine Ecke verzogen und es verschlungen. Meine Verse dazu habt ihr bestimmt gelesen. Haben sie euch gefallen? Ich dachte daran, sie zu singen. Fin gefällt mir nicht so, er wird zu weich. Sein Bruder dagegen, der hat den richtigen Blick. Und Bael? Er ist derjenige, der mich fasziniert. Wehe, wenn seine Geschichte im nächsten Band nicht mehr kommt! Und Maira? Ich wende mich direkt an dich: Du brauchst mehr Finsternis in dir, wenn du in der Welt überleben willst! Versuch nicht einfach, alle zu retten!“
Über die Autorin
Cathrin Harrison (Jahrgang 1986) lebt mit ihrer Familie und ihren zwei Windhunden in der Nähe von Zürich und hat ihr Herz schon als Kind an fantastische Welten verloren. Schreiben war für sie lange einfach pure Leidenschaft, verborgen zwischen Beruf, Alltag und Familienchaos – doch ganz losgelassen hat sie ihre Geschichten nie.
Heute erfüllt sie sich mit der High-Fantasy-Trilogie „Chroniken des Lichts“ einen Herzenswunsch: Geschichten zu erzählen, die Abenteuerlust, Magie und tiefe Emotionen verbinden. Ihre Bücher richten sich an junge und junggebliebene Erwachsenen, die glauben, dass Magie in jeder Ecke der Welt verborgen sein könnte.
Wenn sie nicht gerade an neuen Abenteuern in fernen Welten tüftelt, streift sie am liebsten durch die Natur, trinkt literweise Kaffee – und kann der Verlockung von dunkler Schokolade nur schwer widerstehen.
Cathrin glaubt fest daran, dass Geschichten mehr können, als nur zu unterhalten: Sie können Mut machen, Hoffnung schenken – und uns daran erinnern, dass selbst in dunklen Zeiten ein Funken Licht genügt, um neue Wege zu finden.
Quelle: Cathrin Harrison auf Amazon
Ihr findet sie auch hier auf Instagram: @cathrin.harrison_autorin
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