Nymwich

Nichts ist dir jemals so schwergefallen, wie Nerex’ Angebot abzulehnen.

Es ist zu spät, denn ihr marschiert.

Den ganzen Tag hast du deine Entscheidung in Gedanken hin und her gewälzt, bist zu keiner besseren Lösung gekommen.

Und als Nerex ein zweites Mal gefragt hat, bist du bei deiner Wahl geblieben.

Jetzt ist alles zu spät.

Mit Tiw an deiner Seite ziehst du in den nächsten Kampf. An euren Armen tragt ihr je einen Goldreif. Für Ead. Aber ihr schweigt.

Pfeile begrüßen euch. Doch ihr habt damit gerechnet, dass euer Angriff nicht unbemerkt bleibt.

Aldwyn hat einen Teil von euch zur Vorhut abkommandiert, darunter dich und Tiw.

Die anderen warten in der Dunkelheit, bereit, in den Kampf einzugreifen, sobald der Feind abgelenkt ist.

Ihr rennt, rechts, links, wieder rechts. Weicht dem Beschuss so gut es geht aus, haltet erbeutete Schilde über eure Köpfe.

Dann erreicht ihr die Mauern.

Von oben hagelt es Steine.

„Für Ead“, brüllen du und Tiw.

Dann kreuzt ihr die Waffen mit den Verteidigern.

Es ist ein blutiger Tanz, ein bitterer Tanz. Tiw und du kämpft Rücken an Rücken, nur unterbrochen, als es euch gelingt, die Mauer hinaufzuklettern und über die Zinnen der Ruine durchzubrechen.

Doch ihr werdet umringt.

Durchhalten, fährt es dir durch den Kopf.

Was würdest du jetzt für die Macht des Kos geben.

Der Gedanke hakt sich in dir fest, als wäre er ein Pfeil, dessen Widerhaken sich tief in dein Fleisch fressen.

„! Für Ead!“, schreit Tiw und du landest wieder im Hier und Jetzt.

Ihr bewegt euch drehend und schlagend durch die Menge. Jeder schützt die Seite des anderen.

Die Schmerzen der Treffer, die ihr sammelt, scheinen weit weg. Das Fieber des Kampfes hält sie von euch fern.

Nur werden die Massen nicht weniger.

Wann kommt endlich Aldwyn?

Schlag um Schlag. Die müden Arme hochreißen. Abwehren.

Tiws und dein Atem rasseln um die Wette. Doch noch steht ihr.

Und dann, endlich, ertönt das Gebrüll eurer Männer.

Ihr kämpft euch durch die Gegner hindurch. Weiter Richtung Tor, das ihr öffnen sollt.

Ein Schlag trifft dich ins Bein. Es bricht dir weg.

Du schleifst dich weiter. Tiw bleibt stehen, stützt dich.

„Kämpf weiter“, brüllst du ihn an. „Für Ead!“

Ein Blick streift dich. Ein zorniges Funkeln. Dann stürzt er sich brüllend in den Kampf.

Du stolperst, raffst dich wieder auf, wehrst den nächsten ab. Durchtrennst einen Arm.

Blut spritzt heiß auf dich hinab.

Mit der letzten Kraft, die du und Tiw habt, entfernt ihr das lange Holz, das das Tor verschlossen hält, und drückt es auf.

Das Letzte, was du mitbekommst, ist, dass eure Kameraden hineinstürmen.

Schlag um Schlag. Die müden Arme hochreißen. Doch die Gegner sind zu stark.

Sie knüppeln dich nieder. Ein scharfer Schmerz durchzuckt dich.

„Renn, Tiw“, brüllst du mit letzter Kraft.

Dann wird es dunkel.

Bevor du irgendetwas anderes bemerkst, pocht dein Bein. Direkt oberhalb des Knies. Es bricht so durch die Dunkelheit hindurch, dass es dich aus dem Traum herausreißt, der dich aus der Wirklichkeit entrückt hatte.

Du öffnest die Augen.

Ein fremder Raum. Ein Strohlager, auf dem du liegst. Schnarchende Kameraden. Ein Flüstern, ein Rascheln.

Und der pochende Schmerz.

Beinahe ist er so stark, dass du mit ihm ganz allein bist. Du und das Dröhnen in deinem Bein.

Du tastest nach deinem Bein, triffst mit den Fingern auf eine dicke Schicht Verband.

Du suchst mit den Augen nach dem, was dort brennt und pocht. Hältst dich daran fest, dass Schmerz eine gute Botschaft sein muss.

Das Bein ist noch da.

Da liegt es vor dir. Wie ein Teil von etwas, das nicht dir gehört.

Du versuchst, den Fuß zu bewegen.

Er senkt sich hinab, aber lässt sich nicht wieder nach oben ziehen, egal wie sehr du es probierst.

Plötzlich steht jemand an deiner Seite. „Es wird heilen.“

„Ach ja?“

„Ja. Sogar ganz ohne Kos. Auch wenn es mit schneller gehen würde.“

„Woher weißt du das?“

Nerex lacht leise. „Sagen wir, Erfahrung. Glaub mir ruhig, das Gewebe in deinem Bein ist nicht vollständig gerissen.“

„Hm.“

„Sei froh. Es hätte anders ausgehen können. Besser wäre es gewesen, du hättest mein Angebot nicht abgelehnt. Der Preis war hoch.“

Du siehst ihn an, doch wie in den bisherigen Nächten trägt er die Kapuze weit ins Gesicht gezogen.

„Ich denke, mein Bein heilt wieder.“

„Deins, ja. Der Arm von ihm?“ Er weist mit der Hand auf eines der Lager neben dir. „Nicht mehr.“

Tiw! Er schläft. Beinahe friedlich sieht er aus, ein leichtes Lächeln in seinem Gesicht. Doch auf seiner rechten Seite fehlt ein Arm.

Du schluckst.

Du humpelst durch den Hafen. Der Himmel ist von grauen Wolken bedeckt. Nur ganz in der Ferne, über dem Meer, ist ein blauer Streifen am Horizont.

Um dich herum werkeln die Menschen. Einige der vertriebenen Nidarener sind bereits zurückgekehrt und arbeiten am Aufbau der Stadt.

Am Pier sitzt Tiw. Du setzt dich neben ihn.

Eine Hand liegt unruhig in seinem Schoß, spielt an einem goldenen Reif, bis er hinunterfällt. Du bückst dich, hebst ihn auf und reichst ihn ihm.

„Aldwyn lässt dich faulenzen?“, stichelst du.

„Ich arbeite doch, siehst du das nicht? Halte Wacht, ob Schiffe ankommen.“ Er grinst. „Willst du mitmachen?“

„Sicher. Ich tauge eh nicht zu mehr gerade.“

Gemeinsam sitzt ihr dort.

Wartet.

Aber es ist nicht ein Schiff, das eure Gedanken erwarten.

„Ein Bier wär gut, oder?“

„Ein Großes“, stimmst du zu. Doch du bleibst bei ihm sitzen.

Die Wellen plätschern gegen den Strand.

Hättest du es verhindern können? Eads Tod?

Wenn du nur …

Der Gedanke hat dich nicht mehr losgelassen.

Du hast Nerex’ leuchtende Würfel genommen. Mit zitternden Händen geworfen.

Weil du weißt, dass ein Gewinn nicht ohne Einsatz kommt.

Hunger. Oder Hass. Schwäche. Oder Abscheu in den Augen der anderen.

Aber es ist die einzige Möglichkeit, deine Kameraden zu retten. Tiw zu beschützen.

Grimmig läufst du neben Tiw her. Die goldenen Reifen an euren Armen funkeln im Licht der Monde, die sich durch die dichten Wolken hindurchgeschoben haben.

Du fühlst dich ausgeruht, als hättest du geschlafen. Deine Beine stark.

Du siehst Tiw an deiner Seite. Siehst den gleichen grimmen Mut in ihm. Aber nicht die Kraft.

Macht. Kos verlieh Macht.

Und hoffentlich reichte es, um der Schlacht eine andere Wendung zu geben.

Pfeile begrüßen euch. Doch ihr habt damit gerechnet, dass euer Angriff nicht unbemerkt bleibt.

Aldwyn hat einen Teil von euch zur Vorhut abkommandiert, darunter dich und Tiw.

Die anderen warten in der Dunkelheit, bereit, in den Kampf einzugreifen, sobald der Feind abgelenkt ist.

Ihr rennt, rechts, links, wieder rechts. Weicht dem Beschuss so gut es geht aus, haltet erbeutete Schilde über eure Köpfe.

Dann erreicht ihr die Mauern.

Von oben hagelt es Steine.

„Für Ead“, brüllen du und Tiw.

Dann kreuzt ihr die Waffen mit den Verteidigern.

Es ist ein blutiger Tanz, ein bitterer Tanz. Tiw und du kämpft Rücken an Rücken, nur unterbrochen, als es euch gelingt, die Mauer hinaufzuklettern und über die Zinnen der Ruine durchzubrechen.

Doch ihr werdet umringt.

Das Verlangen, die Macht zu nutzen, die in deinen Adern pulsiert, steigt.

Sie flüstert zu dir. Nimm mich. Ich bin da.

Du hebst deine Waffe. Schlägst zu. Triffst den ersten.

Das Blut benetzt dich, aber die Kraft pulsiert in dir.

Du willst mehr. Du nimmst dir mehr.

Neben dir kämpft Tiw.

Es dauert nicht lange, bis du einen breiten Ring um euch herum geschlagen hast.

Tiw sieht dich an. Ein Blick, inmitten des Kampfes, der seltsam sticht.

„Das Tor“, knurrst du. „Wir müssen zum Tor.“

Er nickt und ihr kämpft euch durch.

Sie wussten, dass ihr kommt. Sie wussten, dass ihr das Tor braucht. Und sie haben sich hier versammelt, um euch gebührend zu begrüßen.

„Rommis“, spottet Tiw grimmig. „Können nichts tun, ohne ihre angebliche Überlegenheit zu zeigen.“

Ihr verharrt einen Moment. Starrt auf die stampfende Masse, deren Stiefel den Boden vibrieren lassen.

Ihre Gesichter sind finster, an ihren Armen leuchten die goldenen Reifen.

„Lass uns ihre Überlegenheit in ihre Gesichter meißeln“, brummst du.

Es giert in dir. Hunger macht sich breit, wie beim letzten Mal.

Dazu kommen Schmerzen. Die Kraft verlässt dich, flieht aus deinem Körper.

Ich bin nicht weg, flüstert die seltsame Stimme in dir. Du kannst mich halten. Du musst mich nur nutzen.

Aber wie, denkst du.

Nimm dir.

Nur zu welchem Preis, fährt es dir durch den Kopf.

Du öffnest dich dem Hunger. Lässt ihn durch deine Adern fließen.

Deine Umgebung verändert sich, die Farben verblassen. Und dann siehst du, wie von den Gegnern etwas zu dir fließt. Wie dunkle Nebelschwaden.

Als sie auf dich treffen, vibrierst du, die Schwäche verschwindet. Die Schmerzen verschwinden.

Du packst deine Waffe fester und stürmst auf die Gegner los.

Schreie des Entsetzens dringen an dein Ohr. Du hörst sie, aber sie halten dich nicht auf.

Stattdessen setzt du nach und metzelst die Rommländer gnadenlos.

Selbst bei denen, die schon regungslos am Boden liegen, stellst du sicher, dass sie nie wieder aufstehen.

Hinter dir steht Tiw.

Sein Schwert gesenkt.

Er starrt dich an.

Doch du bemerkst es nicht.

Du öffnest das Tor für eure Kameraden. Überall um dich herum klirren die Waffen.

Es ist beinahe zu leicht, die Rommländer immer weiter zurückzudrängen.

Du nimmst kaum noch wahr, wer mit dir ist. Was um dich herum geschieht.

Alles in dir sucht nach dem Nächsten, den du dem Hunger in dir geben kannst.

Dann stehen plötzlich mehrere Rommländer vor dir, im selben Moment, in dem der Drang in dir etwas nachlässt.

Ihre Gesichter siehst du nur verschwommen, wie durch Nebel hindurch.

Ein feiner Faden Angst kriecht durch deine Adern.

Deine Kraft reicht, wenn auch knapp.

Zitternd stehst du über den Toten und wischst dir das Blut aus dem Gesicht.

Wo sind die anderen?

Dein Atem geht schwer. Trotzdem beugst du dich hinab, ziehst den Rommländern die Goldreifen ab und streifst sie dir über.

Der Kampf ist vorbei.

Es ist diese unheimliche Stille eingetreten, in der Soldaten von einem Gefallenen zum nächsten ziehen, auf der Suche nach Überlebenden.

Dort müsstest du sein. Bei den anderen. Mit ihnen nach Freunden gucken. Und auch nach Gegnern, die vielleicht Gnade verdient haben.

Aber du bist hier. Zitterst.

Hier bin ich, willst du sagen. Doch deine Zunge bleibt still.

Du siehst Tiw.

Ihr schaut euch über das Schlachtfeld hinweg an. Einen Moment steht ihr beide vollkommen still.

Dann wendet er sich ab.

Du sitzt am Pier. Die Sonne geht gerade unter. In Gedanken versunken schaust du zu, wie sie ins Meer fällt.

Aus der Stadt dringen immer noch Geräusche an dein Ohr. Hämmer, die mit dem Aufbau beschäftigt sind. Menschen, die einander Anweisungen zurufen.

Du sitzt hier allein.

Am Tag nach der Schlacht warst du mit Tiw gemeinsam zur Wache eingeteilt gewesen. Aber es war anders. Als wäre in dir etwas, das es unmöglich machen würde, normal mit ihm zu sprechen.

Nicht mal über Ead.

Und dann, mitten im Schweigen, hat er etwas gesagt, das sich mit kleinen Widerhaken in dir festgesetzt hat.

„Ich sollte dankbar sein. Wir haben Nymwich zurück. Aber ich habe zwei Freunde verloren.“

Für einen Moment ruhte sein Blick auf dir und dann wandte er sich ab.

Zwei Freunde verloren.

Du zuckst nicht zusammen, als Nerex sich neben dich setzt.

„Fragst du dich, ob es den Preis wert war?“, flüstert er samtweich.

„Er lebt, oder?“

„Tiw lebt.“

Für einen Moment herrscht Schweigen zwischen euch.

Dann klappert etwas in Nerex’ Hand. Kos leuchtet im Dunkel. „Du kannst mit mir kommen, wenn du nicht mehr hierbleiben willst.“

Sie kommen näher, auf dich zu. Du machst dich bereit, aber als der Erste zum Schlag ausholt, misslingt dir die Parade und er erwischt dich in der Seite.

Du krümmst dich.

Der Nächste trifft dich am Kopf.

Du wirst bewusstlos.

Du sitzt am Pier. Die Sonne geht gerade unter. In Gedanken versunken schaust du zu, wie sie ins Meer fällt.

Aus der Stadt dringen immer noch Geräusche an dein Ohr. Hämmer, die mit dem Aufbau beschäftigt sind. Menschen, die einander Anweisungen zurufen.

Du sitzt hier allein und kannst nicht verhindern, dass dir Bilder durch den Kopf gehen.

Nach der Schlacht bist du mit einem brummenden Schädel auf einem trockenen Lager aufgewacht.

Als du dich aufsetzt, hörst du jemanden rufen: „Er ist wach.“

Und plötzlich ist Tiw da.

„Wir haben gewonnen“, sagt er. „Nymwich gehört wieder uns.“ Dann steht er auf und dreht sich um.

„Tiw! Bleib doch.“

Er dreht den Kopf.

„Ich wollte sichergehen, dass du wieder aufwachst. Wenn es dir gut genug geht in ein paar Tagen, verschwinde von hier.“

Er zögert, setzt aber dann doch nach: „Ich sollte dankbar sein. Wir haben Nymwich zurück. Aber ich habe zwei Freunde verloren.“

Für einen Moment ruht sein Blick auf dir und dann wendet er sich ab.

Zwei Freunde verloren.

Du zuckst nicht zusammen, als Nerex sich neben dich setzt.

„Fragst du dich, ob es den Preis wert war?“, flüstert er samtweich.

„Er lebt, oder?“

„Tiw lebt.“

Für einen Moment herrscht Schweigen zwischen euch.

Dann klappert etwas in Nerex’ Hand. Kos leuchtet im Dunkel. „Du kannst mit mir kommen, wenn du nicht mehr hierbleiben willst.“

Sie kreisen dich ein. Dein Herz schlägt schneller. Die Angst breitet sich immer weiter in dir aus.

Du weißt, dass deine Kraft dich verlassen hat.

Dann greift der Erste von ihnen an. Du hebst deine Waffe, parierst.

Und im selben Moment spürst du einen scharfen Schmerz in deinem Rücken.

Und dann nichts mehr.

Die Schmerzen werden stärker. Das Drängen der Stimme in dir ebenso.

Aber du schüttelst vehement den Kopf.

Nein. Genug.

Du zitterst. Deine Arme schaffen es nicht mehr, die Waffe zu halten. Deine Knie werden weich.

Du brichst zusammen.

Das Letzte, was du mitbekommst, ist, dass Tiw an deiner Seite steht und dich auffängt, als du zu Boden sackst.

Du sitzt gemeinsam mit Tiw am Pier. Die Sonne geht langsam unter. Gleich plumpst sie ins Meer.

Vögel kreischen über euch und der Duft von frisch gesägtem Holz liegt in der Luft.

Die Bewohner Nymwichs wie auch Aldwyns Soldaten arbeiten jeden Tag bis in die Dunkelheit hinein, um die Stadt wieder aufzubauen.

Auch auf den ehemaligen Feldern ringsherum haben die Bauarbeiten begonnen.

Vor allem aber wird an den Befestigungen gearbeitet.

Es war nicht das erste Mal, dass Nymwich überfallen wurde, und es wird wohl auch nicht das letzte Mal bleiben. Zu wichtig ist die Hafenstadt für den Handel und die Versorgung der südlichen Länder.

Du ballst die Hände zu Fäusten und streckst sie wieder.

„Es nützt nicht wirklich was, weißt du?“, sagt Tiw mit einem Blick auf deine Finger.

„Was?“

„Auf dich selbst wütend zu sein. Du hast uns gerettet.“

„Und dafür kann ich meine Beine immer noch nicht bewegen.“

„Ich trage dich gerne noch eine Weile durch die Gegend.“

„Ich hab’s befürchtet.“ Du versuchst dich an einem Grinsen, aber es sitzt doch etwas schief.

„Schon gut, Mann. Ich geh uns Nachschub holen.“ Er hebt eure leeren Krüge hoch.

„Ich werde wohl hier warten“, raunst du, als er es nicht mehr hören kann.

Da, wo eben noch Tiw gesessen hat, sitzt Nerex. Du hast ihn nicht kommen gehört, aber da ist er nun.

„Nicht zufrieden?“, erkundigt er sich.

„Zufrieden?“

„Nun, es war deine Entscheidung, dir nicht mehr zu nehmen.“

„Danke, ich weiß, dass ich daran schuld bin, dass ich ein Krüppel bin.“

„Du hättest Kos geben sollen, was er verlangt, dann hätte er nicht von dir genommen.“

Du seufzt. „Nein. Das wäre nicht besser gewesen.“

„Wie du meinst.“ Er legt eine Hand auf dein Bein. Du zuckst zusammen.

„Sie werden wiederkommen. Und beim nächsten Mal kannst du dir erneut überlegen, wie du dich entscheidest.“

„Beim nächsten Mal?“

In seiner Hand tauchen die grün leuchtenden Würfel auf. „Ich bin mir sicher, dass eine neue Gelegenheit kommen wird.“

Er lacht und fängt an zu singen. „Komm, komm und spiel mit mir, sing mit mir und trink mit mir, lass die Würfel tanzen, denn die Freiheit lebt in dir.“

Es ist, als wäre die Leere spürbar, die Nerex neben dir hinterlassen hat, als er mit seinen Würfeln verschwunden ist.

Du hast es nicht getan, konntest dich nicht noch einmal darauf einlassen, obwohl du weißt, dass es womöglich der Preis zur Rettung gewesen wäre.

Nein, noch einmal zu spielen konntest du mit deinem Gewissen nicht vereinbaren.

Umso schwerer ist es, nun auszuhalten, dass es deine Entscheidung sein könnte, die den euren Untergang herbeiführen wird.

Pfeile begrüßen euch. Doch ihr habt damit gerechnet, dass euer Angriff nicht unbemerkt bleibt.

Aldwyn hat einen Teil von euch zur Vorhut abkommandiert, darunter dich, Tiw und Ead.

Die anderen warten in der Dunkelheit, bereit, in den Kampf einzugreifen, sobald der Feind abgelenkt ist.

Ihr rennt, rechts, links, wieder rechts. Weicht dem Beschuss so gut es geht aus, haltet erbeutete Schilde über eure Köpfe.

Dann erreicht ihr die Mauern.

Von oben hagelt es Steine.

„Für Nidaren“, brüllt ihr.

Dann kreuzt ihr die Waffen mit den Verteidigern.

Es ist ein blutiger Tanz, ein bitterer Tanz. Ihr kämpft, so gut es geht, Seite an Seite, nur unterbrochen, als es euch gelingt, die Mauer hinaufzuklettern und über die Zinnen der Ruine durchzubrechen.

Doch ihr werdet umringt.

Durchhalten, fährt es dir durch den Kopf.

Was würdest du jetzt für die Macht des Kos geben.

Der Gedanke hakt sich in dir fest, als wäre er ein Pfeil, dessen Widerhaken sich tief in dein Fleisch fressen.

„Für Nidaren“, schreien Tiw und Ead erneut. Du landest wieder im Hier und Jetzt.

Ihr bewegt euch drehend und schlagend durch die Menge. Jeder schützt die Seite des anderen.

Die Schmerzen der Treffer, die ihr sammelt, scheinen weit weg. Das Fieber des Kampfes hält sie von euch fern.

Nur werden die Massen nicht weniger.

Wann kommt endlich Aldwyn?

Schlag um Schlag. Die müden Arme hochreißen. Abwehren.

Tiws und dein Atem rasseln um die Wette. Doch noch steht ihr.

Und dann, endlich, ertönt das Gebrüll eurer Männer.

Ihr kämpft euch durch die Gegner hindurch. Weiter Richtung Tor, das ihr öffnen sollt.

Ein Schlag trifft dich ins Bein. Es bricht dir weg.

Du schleifst dich weiter. Tiw bleibt stehen, stützt dich.

In dem Moment, in dem ihr beide nicht kämpft, stürmt einer der Rommländer auf euch zu.

Ead wirft sich zwischen euch. Durchbohrt von der gegnerischen Klinge stürzt er zu Boden.

Tiw fällt neben ihm auf die Knie, du sackst zusammen.

„Kämpf weiter“, brüllst du ihn an.

Ein Blick streift dich. Ein zorniges Funkeln. Dann stürzt er sich brüllend in den Kampf. In letzter Sekunde, denn die nächsten Rommländer stürmen auf euch zu.

Du stolperst, raffst dich wieder auf, wehrst den Nächsten ab. Durchtrennst einen Arm.

Blut spritzt heiß auf dich hinab.

Ead liegt irgendwo hinter dir.

Aber es hilft nichts: Wenn du dich jetzt neben ihn hockst, bist du genauso tot wie er.

Mit der letzten Kraft, die ihr habt, entfernt ihr das lange Holz, das das Tor verschlossen hält, und drückt es auf.

Das Letzte, was du mitbekommst, ist, dass eure Kameraden hineinstürmen.

Schlag um Schlag. Die müden Arme hochreißen. Doch die Gegner sind zu stark.

Sie knüppeln dich nieder. Ein scharfer Schmerz durchzuckt dich.

Das Letzte, was du bemerkst, ist, dass du nicht der Einzige bist, der zu Boden fällt.

Doch du kannst schon nicht mehr sehen, ob es Tiw oder Ead war.

Dann wird es dunkel.

Bevor du irgendetwas anderes bemerkst, pocht dein Bein. Direkt oberhalb des Knies. Es bricht so durch die Dunkelheit hindurch, dass es dich aus dem Traum herausreißt, der dich aus der Wirklichkeit entrückt hatte.

Du öffnest die Augen.

Ein fremder Raum. Ein Strohlager, auf dem du liegst. Schnarchende Kameraden. Ein Flüstern, ein Rascheln.

Und der pochende Schmerz.

Beinahe ist er so stark, dass du mit ihm ganz allein bist. Du und das Dröhnen in deinem Bein.

Du tastest nach deinem Bein, triffst mit den Fingern auf eine dicke Schicht Verband.

Du suchst mit den Augen nach dem, was dort brennt und pocht. Hältst dich daran fest, dass Schmerz eine gute Botschaft sein muss.

Das Bein ist noch da.

Da liegt es vor dir. Wie ein Teil von etwas, das nicht dir gehört.

Du versuchst, den Fuß zu bewegen.

Er senkt sich hinab, aber lässt sich nicht wieder nach oben ziehen, egal wie sehr du es probierst.

Plötzlich steht jemand an deiner Seite. „Es wird heilen.“

„Ach ja?“

„Ja. Sogar ganz ohne Kos. Auch wenn es mit schneller gehen würde.“

„Woher weißt du das?“

Nerex lacht leise. „Sagen wir, Erfahrung. Glaub mir ruhig, das Gewebe in deinem Bein ist nicht vollständig gerissen.“

„Hm.“ Es zählt kaum. Dieses Bein, ob es heilt oder nicht. Gegen das, was dir wieder ins Bewusstsein gelangt ist, zählt es kaum.

„Ead. Tot und längst dem Feuer übergeben.“

Dein Herz wütet in deiner Brust, wird zum Vulkan, dessen Lava sich durch deinen ganzen Körper zieht.

„Ich sagte ja, du hättest besser Kos genutzt.“ Aber Nerex’ Stimme ist sanft.

Und gleich darauf ist er verschwunden.

Du humpelst durch den Hafen. Der Himmel ist von grauen Wolken bedeckt. Nur ganz in der Ferne, über dem Meer, ist ein blauer Streifen am Horizont.

Um dich herum werkeln die Menschen. Einige der vertriebenen Nidarener sind bereits zurückgekehrt und arbeiten am Aufbau der Stadt.

Am Pier sitzt Tiw. Du setzt dich neben ihn.

Eine Hand liegt unruhig in seinem Schoß, spielt an einem goldenen Reif, bis er hinunterfällt. Du bückst dich, hebst ihn auf und reichst ihn ihm.

„Aldwyn lässt dich faulenzen?“, stichelst du.

„Ich arbeite doch, siehst du das nicht? Halte Wacht, ob Schiffe ankommen.“ Er grinst. „Willst du mitmachen?“

„Sicher. Ich tauge eh nicht zu mehr gerade.“

Gemeinsam sitzt ihr dort.

Wartet.

Aber es ist nicht ein Schiff, das eure Gedanken erwarten.

„Ein Bier wär gut, oder?“

„Ein Großes“, stimmst du zu. Doch du bleibst bei ihm sitzen.

Die Wellen plätschern gegen den Strand.

Vielleicht war es falsch. Vielleicht sogar dumm. Aber das Risiko … das Nichtwissen, was geschehen wäre, wenn du beim letzten Mal nicht gewürfelt hättest.

Deine Brust ist eng, das Atmen anstrengend. Kos wog mehr dieses Mal.

Dieser kleine, leichte Würfel lag so schwer in deiner Hand, als du ihn von Nerex entgegengenommen hast.

Zweimal hattest du geworfen. Du kanntest die Macht.

Und die Folgen.

Aber was wären die Folgen ohne gewesen? Wie hättest du damit leben sollen, wenn dann etwas geschehen wäre?

Also hast du das dritte Mal geworfen.

Obwohl du weißt, dass ein Gewinn nicht ohne Einsatz kommt.

Hunger. Oder Hass. Schwäche.

Du atmest tief durch.

Egal, wie es aussieht, jetzt ist es zu spät.

Pfeile begrüßen euch. Doch ihr habt damit gerechnet, dass euer Angriff nicht unbemerkt bleibt.

Aldwyn hat einen Teil von euch zur Vorhut abkommandiert, darunter dich, Tiw und Ead.

Die anderen warten in der Dunkelheit, bereit, in den Kampf einzugreifen, sobald der Feind abgelenkt ist.

Ihr rennt, rechts, links, wieder rechts. Weicht dem Beschuss so gut es geht aus, haltet erbeutete Schilde über eure Köpfe.

Dann erreicht ihr die Mauern.

Von oben hagelt es Steine.

„Für Nidaren“, brüllt ihr und kreuzt die Waffen mit den Verteidigern.

Es ist ein blutiger Tanz, ein bitterer Tanz. Ihr kämpft Seite an Seite, nur unterbrochen, als es euch gelingt, die Mauer hinaufzuklettern und über die Zinnen der Ruine durchzubrechen.

Doch ihr werdet umringt.

Das Verlangen, die Macht zu nutzen, die in deinen Adern pulsiert, steigt.

Sie flüstert zu dir. Nimm mich. Ich bin da.

Du hebst deine Waffe. Schlägst zu. Triffst den Ersten.

Das Blut benetzt dich, aber die Kraft pulsiert in dir.

Du willst mehr.

Du nimmst dir mehr.

Neben dir kämpfen Tiw und Ead.

Es dauert nicht lange, bis du einen breiten Ring um euch herum geschlagen hast.

Tiw sieht dich an. Ein Blick, inmitten des Kampfes, der seltsam sticht.

„Das Tor“, knurrst du. „Wir müssen zum Tor.“

Er nickt und ihr kämpft euch durch.

Sie wussten, dass ihr kommt. Sie wussten, dass ihr das Tor braucht. Und sie haben sich hier versammelt, um euch gebührend zu begrüßen.

„Rommis“, spottet Ead grimmig. „Können nichts tun, ohne ihre angebliche Überlegenheit zu zeigen.“

Ihr verharrt einen Moment. Starrt auf die stampfende Masse, deren Stiefel den Boden vibrieren lassen.

Ihre Gesichter sind finster, an ihren Armen leuchten die goldenen Reifen.

„Lass uns ihre Überlegenheit in ihre Gesichter meißeln“, brummst du.

Es giert in dir. Hunger macht sich breit, wie beim letzten Mal.

Dazu kommen Schmerzen. Die Kraft verlässt dich, flieht aus deinem Körper.

Ich bin nicht weg, flüstert die seltsame Stimme in dir. Du kannst mich halten. Du musst mich nur nutzen.

Aber wie, denkst du.

Nimm dir.

Nur zu welchem Preis, fährt es dir durch den Kopf.

Denn genau das kennst du schon. Diese Stimme. Das Verlangen. Den Hunger.

Und was danach passiert.

Du öffnest dich dem Hunger. Lässt ihn durch deine Adern fließen.

Deine Umgebung verändert sich, die Farben verblassen. Und dann siehst du, wie von den Gegnern etwas zu dir fließt. Wie dunkle Nebelschwaden.

Als sie auf dich treffen, vibrierst du, die Schwäche verschwindet. Die Schmerzen verschwinden.

Du packst deine Waffe fester und stürmst auf die Gegner los.

Schreie des Entsetzens dringen an dein Ohr. Du hörst sie, aber sie halten dich nicht auf.

Stattdessen setzt du nach und metzelst die Rommländer gnadenlos.

Selbst bei denen, die schon regungslos am Boden liegen, stellst du sicher, dass sie nie wieder aufstehen.

Hinter dir stehen Tiw und Ead.

Die Schwerter gesenkt.

Ihre Blicke auf dir.

Doch du bemerkst es nicht.

Du öffnest das Tor für eure Kameraden. Überall um dich herum klirren die Waffen.

Es ist beinahe zu leicht, die Rommländer immer weiter zurückzudrängen.

Du nimmst kaum noch wahr, wer mit dir ist. Was um dich herum geschieht.

Alles in dir sucht nach dem Nächsten, den du dem Hunger in dir geben kannst.

Dann stehen plötzlich mehrere Rommländer vor dir, im selben Moment, in dem der Drang in dir etwas nachlässt.

Ihre Gesichter siehst du nur verschwommen, wie durch Nebel hindurch.

Ein feiner Faden Angst kriecht durch deine Adern.

Deine Kraft reicht, wenn auch knapp. Zitternd stehst du über den Toten und wischst dir das Blut aus dem Gesicht.

Wo sind die anderen?

Dein Atem geht schwer. Trotzdem beugst du dich hinab, ziehst den Rommländern die Goldreifen ab und streifst sie dir über.

Der Kampf ist vorbei.

Es ist diese unheimliche Stille eingetreten, in der Soldaten von einem Gefallenen zum nächsten ziehen, auf der Suche nach Überlebenden.

Dort müsstest du sein. Bei den anderen. Mit ihnen nach Freunden gucken. Und auch nach Gegnern, die vielleicht Gnade verdient haben.

Aber du bist hier. Zitterst.

Hier bin ich, willst du sagen. Doch deine Zunge bleibt still.

Du siehst Tiw und Ead.

Ihr schaut euch über das Schlachtfeld hinweg an. Einen Moment steht ihr vollkommen still.

Dann wenden sie sich ab.

Du sitzt am Pier. Die Sonne geht gerade unter. In Gedanken versunken schaust du zu, wie sie ins Meer fällt.

Aus der Stadt dringen immer noch Geräusche an dein Ohr. Hämmer, die mit dem Aufbau beschäftigt sind. Menschen, die einander Anweisungen zurufen.

Du sitzt hier allein.

Sie reden nicht mehr mit dir.

Ihr habt die Schlacht gewonnen. Ihr habt Nymwich zurück.

Ihr habt überlebt.

Aber nichts davon hilft.

Denn du bist allein.

Es ist dein letzter Abend hier. Und du tust nichts anderes, als zu sehen, wie die Sonne untergeht.

Du zuckst nicht zusammen, als Nerex sich neben dich setzt.

„Fragst du dich, ob es den Preis wert war?“, flüstert er samtweich.

„Sie leben, oder?“

„Sie leben.“

Für einen Moment herrscht Schweigen zwischen euch.

Dann klappert etwas in Nerex’ Hand. Kos leuchtet im Dunkel. „Du kannst mit mir kommen, wenn du nicht mehr hierbleiben willst.“

Sie kommen näher, auf dich zu. Du machst dich bereit, aber als der Erste zum Schlag ausholt, misslingt dir die Parade und er erwischt dich in der Seite.

Du krümmst dich. Der Nächste trifft dich am Kopf.

Du wirst bewusstlos.

Du sitzt am Pier. Die Sonne geht gerade unter. In Gedanken versunken schaust du zu, wie sie ins Meer fällt.

Aus der Stadt dringen immer noch Geräusche an dein Ohr. Hämmer, die mit dem Aufbau beschäftigt sind. Menschen, die einander Anweisungen zurufen.

Du sitzt hier allein und kannst nicht verhindern, dass dir Bilder durch den Kopf gehen.

Nach der Schlacht bist du mit einem brummenden Schädel auf einem trockenen Lager aufgewacht.

Als du dich aufsetzt, hörst du jemanden rufen: „Er ist wach.“

Und plötzlich ist Tiw da.

„Wir haben gewonnen“, sagt er. „Nymwich gehört wieder uns.“ Dann steht er auf und dreht sich um.

„Tiw! Bleib doch.“

Er dreht den Kopf.

„Ich wollte sichergehen, dass du wieder aufwachst. Wenn es dir gut genug geht in ein paar Tagen, verschwinde von hier.“

Er zögert, setzt aber dann doch nach: „Ich sollte dankbar sein. Wir haben Nymwich zurück. Aber ich habe einen Freund verloren.“

Für einen Moment ruht sein Blick auf dir und dann wendet er sich ab.

Du hast gewartet, aber Ead kam nicht.

Einen Freund verloren.

Du zuckst nicht zusammen, als Nerex sich neben dich setzt.

„Fragst du dich, ob es den Preis wert war?“, flüstert er samtweich.

„Sie leben, oder?“

„Sie leben.“

Für einen Moment herrscht Schweigen zwischen euch.

Dann klappert etwas in Nerex’ Hand. Kos leuchtet im Dunkel. „Du kannst mit mir kommen, wenn du nicht mehr hierbleiben willst.“

Sie kreisen dich ein. Dein Herz schlägt schneller. Die Angst breitet sich immer weiter in dir aus.

Du weißt, dass deine Kraft dich verlassen hat.

Dann greift der Erste von ihnen an. Du hebst deine Waffe, parierst.

Und im selben Moment spürst du einen scharfen Schmerz in deinem Rücken.

Und dann nichts mehr.

Die Schmerzen werden stärker. Das Drängen der Stimme in dir ebenso.

Aber du schüttelst vehement den Kopf.

Nein. Genug.

Du zitterst. Deine Arme schaffen es nicht mehr, die Waffe zu halten. Deine Knie werden weich.

Du brichst zusammen.

Das Letzte, was du mitbekommst, ist, dass Tiw und Ead an deiner Seite stehen.

Tiw fängt dich auf, als du zu Boden sackst.

Zu dritt sitzt ihr am Pier. Die Sonne geht langsam unter. Gleich plumpst sie ins Meer.

Vögel kreischen über euch und der Duft von frisch gesägtem Holz liegt in der Luft.

Die Bewohner Nymwichs wie auch Aldwyns Soldaten arbeiten jeden Tag bis in die Dunkelheit hinein, um die Stadt wieder aufzubauen.

Auch auf den ehemaligen Feldern ringsherum haben die Bauarbeiten begonnen.

Vor allem aber wird an den Befestigungen gearbeitet.

Es war nicht das erste Mal, dass Nymwich überfallen wurde, und es wird wohl auch nicht das letzte Mal bleiben. Zu wichtig ist die Hafenstadt für den Handel und die Versorgung der südlichen Länder.

Du ballst die Hände zu Fäusten und streckst sie wieder.

„Es nützt nicht wirklich was, weißt du?“, sagt Tiw mit einem Blick auf deine Finger.

„Was?“

„Auf dich selbst wütend zu sein. Du hast uns gerettet.“

„Und dafür kann ich meine Beine immer noch nicht bewegen.“

„Ich trage dich gerne noch eine Weile durch die Gegend.“

„Ich hab’s befürchtet.“ Du versuchst dich an einem Grinsen, aber es sitzt doch etwas schief.

„Schon gut, Mann“, mischt sich Ead ein. „Ich geh uns Nachschub holen.“ Er hebt eure leeren Krüge hoch.

Tiw sitzt noch bei dir, als plötzlich ein Junge angelaufen kommt und ihn bittet, mitzukommen. Er sieht dich entschuldigend an, aber du winkst ab.

„Ich werde hier warten“, raunst du.

Da, wo eben noch Tiw gesessen hat, sitzt Nerex. Du hast ihn nicht kommen gehört, aber da ist er nun.

„Nicht zufrieden?“, erkundigt er sich.

„Zufrieden?“

„Nun, es war deine Entscheidung, dir nicht mehr zu nehmen.“

„Danke, ich weiß, dass ich daran schuld bin, dass ich ein Krüppel bin.“

„Du hättest Kos geben sollen, was er verlangt, dann hätte er nicht von dir genommen.“

Du seufzt. „Nein. Das wäre nicht besser gewesen.“

„Wie du meinst.“ Er legt eine Hand auf dein Bein. Du zuckst zusammen.

„Sie werden wiederkommen. Und beim nächsten Mal kannst du dir erneut überlegen, wie du dich entscheidest.“

„Beim nächsten Mal?“

In seiner Hand tauchen die grün leuchtenden Würfel auf. „Ich bin mir sicher, dass eine neue Gelegenheit kommen wird.“

Er lacht und fängt an zu singen. „Komm, komm und spiel mit mir, sing mit mir und trink mit mir, lass die Würfel tanzen, denn die Freiheit lebt in dir.“

Kapitel 10 abgeschlossen
Stufe 1
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Die Macht der Würfel ist beendet.

Deine Belohnung wartet auf dich.

In der Kiste wartet deine Belohnung fürs Spielen.

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