Ladrokos
Nirina
Pst, Reisende/r!
Ich bin Nirina. Verrat mich nicht an meine Tante Aethel, aber ich kann dir helfen.
Ich hab schon öfter gesehen, dass Reisende sich hier in den verschiedenen Zimmern der Taverne verlaufen oder nicht wissen, wie sie die Aufgaben lösen sollen. Genau dabei kann ich dich unterstützen. Aethels Gate ist das Spiel in der Taverne, Grennland Soldier das Soloabenteuer.
Wenn du mich brauchst, bin ich da.
Es nieselt immer noch. Du hast dir eine Zeit lang die Wache mit Tiw am Lagerfeuer vertrieben, doch jetzt ist er unterwegs, einen Rundgang zu machen. Drei Feuer leuchten, sechs Wachen seid ihr insgesamt. Du denkst gerade darüber nach, wie deine müden Beine den nächsten Rundgang bewältigen sollen, als sich eine Gestalt zu dir ans Feuer bewegt. Sofort bist du hellwach, greifst nach deiner Waffe, aber der Fremde lacht leise und flüstert: „Alles gut. Ich bin einer der neuen Rekruten.“ Du bist beruhigt. Entspannter, als du es vielleicht während deiner Wache sein solltest.
Er trägt eine Kapuze, sein Gesicht ist nicht richtig zu sehen, selbst das Feuer kann es nicht ganz erhellen. Vielleicht war doch etwas?
„Komm, würfel mit mir“, schlägt der Fremde vor und schüttelt seine Hand, in der es klappert.
Du ziehst deine eigenen Würfel hervor, aber er schüttelt den Kopf.
„Nein. Nicht Ladro. Wir spielen Ladrokos.“
„Natürlich nicht. Ich denke nicht, dass du schon einmal einem von uns begegnet bist. Du riechst nicht danach.“
Du wunderst dich über seine Worte. Aber deine Gedanken verschwinden schnell wieder, vertrieben von Neugier. Denn seine Würfel leuchten leicht grünlich. Und der eine trägt keine Zahlen.
„Also, wie geht es?“
„Wir würfeln. Der hier, Kos, der bleibt in der ersten Runde liegen. Er bestimmt den Einsatz und den Gewinn. Die anderen werden gewürfelt wie beim Ladro.“
Bei den Worten Einsatz und Gewinn wird seine Stimme deutlich dunkler.
„Einsatz?“
„Besprechen wir doch erst den Gewinn“, sagt der Fremde und legt eine Hand auf deine Schulter.
„Was wollen wir hier erreichen?“
„Den Turm einnehmen.“
„Ja, aber noch nicht morgen. Ihre Armee lagert nicht weit von uns, sie werden uns aufhalten, bevor wir auch nur in die Nähe des Turms gelangen.“ Er macht eine Pause. „Sie sind in der Überzahl.“
„Ja. Und das werden wir auch tun. Aber sie sind beinahe dreimal so viele wie wir.“
Die Nachricht trifft dich. Von der doppelten Anzahl war die Rede gewesen. Nicht von einer solchen Übermacht.
„Und sie haben keinen Grund, nicht darauf zu warten, dass wir sie angreifen. Ihre Versorgung ist besser geregelt als unsere.“
„Woher weißt du das alles?“
„Ich war drüben.“
„Ein Spion?“
„Unbedingt! Aber zurück zum Gewinn.“ Er lacht leise. „Was wir brauchen, ist ein Sieg. Mehr Kraft. Mehr Verderben. Mehr Zerstörung.“ Er nimmt den Würfel, den er Kos genannt hat, in die eine Hand. Die seltsamen Zeichen darauf leuchten. „Und dieser Würfel gibt dir genau das.“
Du siehst den Fremden an. „Mehr Kraft?“
„Verderben. Zerstörung. Blut.“ Bei jedem Wort zeigt er dir eine der Seiten.
Es konnte nicht sein, oder? Dass in einem Würfelwurf diese Kraft lag?
„Ein Spiel“, murmelst du. „Es ist nur ein Spiel.“
„Ladro ist ein Spiel. Ladrokos ist mehr. Traust du dich?“
„Hunger. Ein bisschen Qualen. Vielleicht sogar Schmerz.“ Seine Stimme wird leicht, beruhigend. „Aber du kannst das abgeben.“ Er sieht dich an. „Abgesehen davon, wie bei Ladro auch.“ Er zieht ein paar Kupferlinge hervor.
Du verstehst es nicht genau. Aber dein Blick ist wie gefangen von dem seltsamen Würfel, der immer noch auf der Hand des Fremden liegt.
Kälte fährt in dich hinein, legt sich in deinen Bauch. Doch kurz danach hast du dich wieder daran gewöhnt.
Der Fremde lacht. „Du hast unser Blatt gewendet, mein Freund.“
Dann steht er auf und geht.
Kehre zu Deinem Reisetagebuch zurück und sieh nach, welche neuen Einträge sich ergeben haben.
Außerdem kannst du von dort wichtige Orte immer wieder aufsuchen.
