Gemeinschaft der Blogger:Innen von Vladzrodos

Ein bisschen Bonus Content für euch… Mal sehen, was im Laufe der Zeit noch dazu kommt.

Tanz der Sterne

Merjek schlug mit seinen Fäusten gegen eines der Gitter. Der Hund dahinter fletschte die Zähne. Der Meister der Hunde nahm den großen Schlüssel vom Gürtel, steckte ihn ins Schloss und trat in den Zwinger hinein. Zog das Tor hinter sich zu. Sank zu Boden neben dem großen Tier, das seinen Kopf auf Merjeks Beine legte. Tränen fielen in den dicken Pelz. Schorschs Wärme breitete sich aus.

Scharren aus den Zwingern neben ihnen. Schnarchen. Wind, der von draußen herein pfiff.
Aber nichts aus Merjeks Haus.

Die Hände des Hundemeisters ballten sich, krallten sich in den Pelz, aber Schorsch blieb ruhig. Räudig war er gewesen, einer, der kaum zu bändigen war. Einer, der Schatten anknurren zu schien. Aber seit Wochen suchte Merjek seine Nähe, weil er der einzige seiner Hunde war, der nicht jaulte und winselte, wenn Hände sich zu fest in seinem Fell bewegten. Vielleicht auch, weil er der Einzige war, der die Trauer, die Angst und die Wut seines Meisters aushalten konnte.

Merjek sagte nichts. Aber in seinem Kopf durchlebte er den Nachmittag noch einmal. Übelkeit raste durch ihn hindurch. Schmerzen fuhren durch seinen Bauch. Seine Schultern verkrampften sich.

Jesine. Sie lag in seinen Armen, sie zitterte. Sie wusste nicht, wer sie war oder wo sie war. Tanz der Sterne, dreh dich rum, Tanz der Geister, ringelrum. Dieses Lied. Ein Kinderlied. Sie sang es immer und immer wieder. Nur diesen Vers. Und mit jedem Mal, wo er es hörte, fuhr es ihm tiefer in die Knochen, in die Glieder. Setzte sich dort fest und machte ihn krank. Es war wie ein Schatten, der in ihn hineinglitt. Und sie ihm immer mehr davon.

Tanz der Sterne, dreh dich rum. Jesine, wo bist du? In welchen Sternen tanzt du. Du bist nicht mehr hier. Nicht mehr bei mir. Die Augenblicke, in denen du dich erinnern kannst, werden immer weniger.

Jesine! Du bist kein Geist.

„Schorsch“, wimmerte Merjek. „Sie entflieht mir. Sie verblasst. Sie isst nicht mehr richtig. Ich kann ihr nicht helfen.“

Er beugte sich nach vorn, vergrub seinen Kopf im dichten Fell. Graue Haare, weiße Haare, braune Haare. Fleckig. Schorsch war kein schönes Tier. Sein Fell war rau und dicht. Der Winter machte ihm nichts aus. Es piekste in Merjeks Gesicht. Bremste die Tränen.

Irgendwann stand Merjek auf und ging hinaus. Schorsch sah ihn mit großen Augen an. Stand einfach da. Tappte mit der Pfote auf den Boden. Und wartete. Er würde hier sein, wenn der Meister der Hunde ihn brauchte.

Merjek ging hinaus in den Außenring der Burg.

Hier hatte er Jesine zum ersten Mal gefunden. Es war zwei Tage nach der Zeremonie gewesen. Andrarg war fort. Josha hinter den Mauern des Zimmers verschwunden, in denen er mit Nefereg und Lokar saß und versuchte, alles zu regeln.

Einer der Jungen hatte ihn geholt.

„Sie kommt nicht mit, Merjek. Sie weigert sich. Sie sieht mich nicht an.“

„Was meinst du?“

„Jesine starrt in die Ferne. Selbst wenn sie in meine Richtung guckt, sieht sie mich nicht.“

„Ich komme.“

Er zog sich Mantel und Stiefel an, denn es war bitterkalt draußen. Stapfte durch den Schnee in die dunkle Nacht. Der Junge brachte ihn bis fast ganz ans Ende des Rings. Kurz vor der ewigen Wacht war sie. Drehte sich, die Arme ausgebreitet. Kein Mantel. Das Kleid flatterte im Wind. Die Füße waren nackt. Sie humpelte selbst beim Drehen. Und sie sang. „Tanz der Sterne, dreh dich rum, Tanz der Geister, ringelrum.“ Er kannte das Lied. Ein Kinderlied. Aber so hatte er es noch nie gehört. Als würde es ein Geist singen. Hell, klar, nicht von dieser Welt. Es war ihre Stimme und doch wieder nicht.

Er ging auf sie zu. Hielt sie am Arm. Als sie ihn sah, weiteten sich ihre Augen. „Merjek“, flüsterte sie. Und dann brach sie in seinen Armen zusammen.

Er trug sie nach Haus. Entflammte das Feuer. Legte sie davor. Flößte ihr Tee ein. Betete zu Nereson, dass sie nicht krank wurde. Und dass ihr Schlaf Erholung brachte. Mitnahm, was mit ihr los war.

Als sie am nächsten Tag aufwachte, war sie normal und ging ihrer Arbeit nach.

Bis die Sterne hoch am Himmel standen und der Junge ihn holen kam. Sie war wieder draußen.

Tanz der Sterne

Das Lied verlässt dich nicht mehr.

Der Auftrag

Der Auftrag

Der Meister rief,
Ich eilte hin,
Es gab eh keine Wahl.
Wer nicht gehorchte,
Nahm in Kauf
Die Strafen voller Qual.

Ein Auftrag nur für dich mein Freund,
Das sagte er zu mir.
Die Einzelheiten hat für dich,
Ah, Drokas ist schon hier.

Der Davos hat
Auf Burg Erirfort
Einen Auftrag erfüllt.
Jetzt zieht er fort
Zu seinem Ziel
Mit Tücke und Gebrüll.

Ein Auftrag nur für dich mein Freund,
Das sagte er zu mir.
Hör hin, es geht um Wichtiges,
Nimm es zu Herzen dir.

An seiner Seite
Wandelt auch
Die Feuerdämonin.
Doch ist sie frei
Und wer sie kennt,
Weiß sich in Acht zu nehmen.

Ein Auftrag nur für dich mein Freund,
Das sagte er zu mir.
Es wiegt für unser aller Wohl,
Deine Gabe brauchen wir.

So folge ihnen
In den Kampf,
Zwing deine Hilfe auf.
Denn ohne dich,
Das ist uns klar,
Gehen beide drauf.

Ein Auftrag nur für dich mein Freund,
Das sagte er zu mir.
Als Kämpfer, Sänger und Spion
Zieh los mit Schattengier.

Doch was ich damals noch nicht wusst,
Ist das da doch eins fehlt,
Denn Kämpfer, Sänger und Spion
Die Freundschaft wars die zählt.

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