Die Schenke



„Komm hier lang.“ Hartogh sieht dich an und weist in eine andere Richtung als die, aus der ihr gekommen seid.

„Was ist los?“

„Ich muss dir etwas zeigen.“

Schnellen Schrittes marschiert er los und bleibt schließlich abrupt stehen.

Vor euch liegt ein abgebranntes Haus. Verkohlte Reste von Balken, graue Trümmer und vereinzelte grüne Pflanzen, die sich zwischen all dem emporrecken. Und inmitten dieser Dinge hockt der Zimmermann. Sucht nach etwas.

„Das war die Schenke. Bevor die Scheune existierte.“

„Was?“

„Sie haben mir nicht gesagt, was genau passiert ist.“

„Der Graf war es.“ Der Zimmermann hat sich gestreckt und kommt auf euch zu. „Er hat den Befehl erteilt.“

„Weil einer seiner Ritter hier einmal zu oft nach Steuern gefragt hat.“

Du blickst von ihm zu Hartogh.

Hartogh zuckt mit den Schultern. „Schau mich nicht so an, wir waren es nicht. Der Graf ist auf seine Steuern angewiesen. Also lässt er sie eintreiben. Und was sollen seine Ritter denn machen?“

„Nicht die kleinen Leute ausquetschen?“, wirft der Zimmermann ein. Seine Worte sind zornig, aber sein Gesicht und auch seine Stimme sind ruhig.

Er verharrt kurz. „Was wäre, wenn es deine Familie wäre, Soldat?“ Dann dreht er sich um und geht.

„Ich habe nicht gesagt, dass ich es richtig finde, eine Schenke niederzubrennen“, murmelt Hartogh.

Hartogh grinst kurz. Aber seine Stimme ist nachdenklich, nicht belustigt wie sonst. „Schon gar nicht eine Schenke“, bestätigt er. „Der Graf ist nicht willkürlich. Er schützt unser Land vor unseren Feinden. Er sorgt dafür, dass genügend Sicherheit da ist. Aber …“

„Aber es ist vielleicht trotzdem nicht in Ordnung, wie er das macht.“

„Vielleicht. Komm, lass uns ins Lager zurückkehren.“

Du siehst immer noch dem Hauptmann nach, obwohl er schon längst nicht mehr zu sehen ist.

Elanja legt eine Hand auf deine Schulter. „Ja, es ist furchtbar, wenn man nicht helfen kann. Und nicht weiß, was richtig ist.“ Sie seufzt. „Komm Grünling.“

Sie geht in Richtung Brynfurt und bringt dich zu einem Platz, an dem einmal ein Haus gestanden haben muss. Die verkohlten Überreste, nass nach dem Gewitter, sind teilweise verwittert, teilweise von Pflanzen überwachsen.

„Was ist das?“

In dem Moment entdeckst du einen Mann in einer Ecke, der mehrere Balken hin und her bewegt. Es ist der Zimmermann.

„Es war einmal unsere Schenke.“

Elanjas Stimme ist sehr leise, als hätte sie Sorge, dass ihr den Zimmermann stören könntet, obwohl er kein Anzeichen zeigt, euch bemerkt zu haben.

„Der Graf sammelte Steuern ein, aber wie so oft konnten nicht alle sie zahlen. Also gab es viel Gemurre und die Männer der Ritter, die er geschickt hat, wurden nicht sonderlich höflich behandelt. Auch das war sicherlich nichts Ungewöhnliches.“ Sie hält inne. Ihr Blick ruht auf dem Zimmermann.

„Sie haben sich geweigert, die Steuern zu zahlen und haben sich den Männern in den Weg gestellt, als die sich die letzte Kuh holen wollten. Der eine hat einen geschlagen. Es war zu viel Bier im Spiel und sicherlich auch der ein oder andere Becher Stärkeres. Also hat der Ritter den Befehl gegeben, die Schenke niederzubrennen.“

„Weil einige von uns zu wenig hatten, um noch mehr zu geben.“

Immer noch ruht ihr Blick auf dem Zimmermann, der Balken um Balken hochhebt und wieder fallen lässt.

„Leihst du mir dein Messer, Grünling?“

Du gibst es ihr.

Sie nimmt es, zieht einige Pflanzen aus einer ihrer Taschen und schneidet etwas davon klein und legt sie in ein Tuch. Dann gibt sie dir das Messer zurück.

Sie nickt, klettert dann durch die Reste der Schenke hinüber zum Zimmermann. Gibt ihm das Tuch mit den Pflanzen. Sie lacht leise und sagt etwas, doch du kannst nicht verstehen, was es ist.

Dein Blick wandert über den Unglücksort.

Plötzlich steht Elanja wieder bei dir.

„Komm Grünling, ich möchte mich umziehen, bevor wir ins Lager zurückkehren.“

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