Unterwegs

Du machst dich auf den Weg.

Würfel einen W6. Bei 1–3 gehst du zu Fuß. Bei 4–6 kannst du dir in der Taverne ein Pferd leihen.

Hinter den Bäumen versinkt die Sonne, lässt die Blätter zum letzten Gruß leuchten.

Du hast es dir auf einer kleinen Lichtung gemütlich gemacht. Seit einer Woche bist du nun schon unterwegs, aber Aethel hatte dir zum Abschied verraten, dass du fast drei Wochen bis nach Brynfurt brauchen wirst.

Am Anfang hast du dich geärgert, dass sie kein Pferd für dich hatte, aber eigentlich bist du gerne für dich unterwegs. Die Wege sind breit und trocken. Die Luft lau. Selbst die Nächte haben nicht so sehr abgekühlt, dass dich irgendetwas gestört hätte.

Bis heute.

Doch nun liegt etwas in der Luft. Du bist dir nicht sicher, was es ist. Da ist noch der Geruch nach Beeren, von denen du dir einige gepflückt hast. Nach Wald und Stein. Und …

Du bist dir immer noch nicht sicher, was es genau ist, als es hinter dir knackt und knirscht.

Dir fällt endlich ein, wonach es riecht. Hinter dir muss sich ein Gründler befinden, eine Kreatur auf vier Pfoten, mit einer langen Nase, die im Boden nach Nahrung sucht. Leider bringt sie ebenso viel Gewicht auf die Waage wie du und hat zwei sehr lange Hauer, die nicht nur Erde aufwühlen können, sondern ebenso Gedärme.

Für einen Moment zögerst du, vielleicht geht der Gründler wieder einen anderen Weg. Doch das Knacken wird lauter. Du hebst dein Messer und machst dich bereit, verfluchst dich selbst dafür, dass du kein Schwert hast oder noch besser einen Speer, aber man kann nicht alles haben.

Der Gründler stürmt aus dem Unterholz hervor.

Du verwickelst ihn in einen Kampf. Der erste Treffer gehört dir.

Du drehst dich um und suchst in den Ästen nach dem Geräusch. Leider erkennst du den Ankömmling erst, als er aus dem Unterholz auf dich zustürmt.

Bevor du dein Messer ziehen kannst, erwischt er dich am Bein. Gegen den Schmerz ankämpfend greifst du nach deinem Umhang und wickelst ihn um seinen Kopf.

Der Gründler – denn jetzt, wo du ihn siehst, weißt du endlich, was das Tier mit der langen Nase und den kräftigen Hauern ist – wirft seinen Kopf panisch hin und her.

Der Umhang zerreißt.

Dein Umhang geht verloren.

Langsam gewinnst du die Oberhand. Es gelingt dir, dich auf den Gründler zu schwingen. Auf ihm sitzend versenkst du dein Messer in seinem Hals und hast Glück.

Blut spritzt auf. Eine Weile dauert der Todeskampf noch an, aber schließlich kniest du siegreich neben dem Tier.

Ein Gutes hat es: Du hast weiteren Proviant. Außerdem nimmst du dir einen der Hauer und steckst ihn ein.

Du erhältst Fleisch und einen Hauer.

Nachdem du dein Lager für die Nacht gesichert hast, gegessen und getrunken hast, legst du dich zum Schlafen.

Am nächsten Tag machst du dich weiter auf die Reise.

Der Wind pustet dir durch die Haare. Obwohl du wenig galoppiert bist, bist du in der vergangenen Woche gut vorangekommen und fast da.

Laut deiner Karte solltest du spätestens in vier Tagen ankommen, wenn nichts geschieht. Doch heute zieht bereits die Abenddämmerung auf. Also steigst du ab, als du einen guten Lagerplatz für die Nacht findest.

Mitten in der Nacht wird es plötzlich still. Dein Feuer ist aus. Dein Umhang, mit dem du dich zugedeckt hast, bewegt sich sanft im Wind.

Dann hörst du etwas. Erst ganz leise. Ein Ton. Ganz klar. Wie ein Summen, das nicht deine Ohren wahrnehmen, sondern das durch deine Haut in dich eindringt, in deine Adern kriecht und dein Herz erreicht. Es dazu bringt, schneller zu schlagen.

Deine Muskeln spannen sich an, du erhebst dich.

Du stemmst die Beine in den Boden und legst deine Hände auf die Ohren. Der Ton verschwindet nicht, aber dein Herz beruhigt sich etwas.

Aus dem Boden steigt Nebel auf. Er verdichtet sich um dich herum, bis du nichts mehr sehen kannst. Dann greift etwas nach deinem Bein.

Du wischst nach unten, aber da ist nichts. Du atmest schneller. Der Drang, dich zu bewegen, ist groß, aber du widerstehst ihm.

„Nein“, flüsterst du heiser ins Nichts.

Plötzlich verschwinden Ton und Nebel.

Du suchst alles um dich herum ab, aber keine Spuren und nichts ist zurückgeblieben. Außer einem kleinen Knopf aus Messing. Glatt und ohne ein Zeichen. Du steckst ihn ein.

Du erhältst einen Messingknopf.

Du gehst einen Schritt in Richtung Wald. Der Ton wird lauter. Aus dem Boden steigt Nebel auf.

Du merkst gar nicht mehr richtig, was geschieht. Hörst nur den Ton, der zu einer Musik anwächst. Sie ist wunderschön. Warm. Wie Feuer mitten im Dorf, deine Liebsten neben dir.

Dein Körper bewegt sich von allein.

Bis du stolperst.

Plötzlich ist eine Leere in dir, denn die Musik ist fort. Auch der Nebel lichtet sich. Du reibst deinen schmerzenden Fuß, stehst auf und humpelst zurück ins Lager. Suchst nach Spuren.

Doch es ist nichts zu sehen. Außer, dass dein Umhang fort ist und an seiner Stelle ein kleiner, glatter Knopf aus Messing liegt. Es ist kein Zeichen auf ihm, also steckst du ihn ein.

Dein Umhang geht verloren. Du erhältst einen Messingknopf.

An Schlaf ist nicht mehr zu denken, also packst du deine Sachen, steigst auf dein Pferd und reitest weiter.

Manchmal ist es wichtig, eine Erinnerung daran zu haben, was man erlebt hat, wo man gewesen ist und was man entdeckt hat.
Hier findest du dein Reisetagebuch.
Möge es dir dabei helfen, den Überblick zu behalten und die Orte wiederzufinden, an die du gereist bist.

Wind Sounds by Zapsplat
Cello by Eva von Kalm

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