Unwetter

„Wenn der Wind in den Bäumen weht, ein großes Unheil auf und ab geht.“ Elanja bleibt stehen.

„Der Wind wird stärker“, erklärt sie.

„Ach! Vielleicht waren die Stunden des Morgens doch nicht die beste Zeit, um in den Wald zu gehen.“

„Mmpf. Vielleicht, vielleicht auch nicht. So oder so werden wir nass werden.“ In dem Moment landen die ersten Tropfen auf euch.

„Zum Lager zurück?“, fragst du.

„Ach was, da sind wir auch nicht geschützt. Nein, vielleicht sollten wir die Baumgeister um Hilfe bitten.“

Du starrst sie an.

„Sicher! Nie von ihnen gehört?“ Kein Zucken in ihrem Mundwinkel, kein verräterischer Unterton.

„Doch, natürlich. Als ich klein war.“

Du beobachtest sie, aber sie zuckt immer noch nicht. Der Regen wird stärker.

Plötzlich beginnt sie doch zu kichern.

„Gib es zu, du hast schon angefangen, zu überlegen, ob ich jetzt aufstehe und mit einem Baum rede.“

„Ganz genau. Und die wohnen in Bäumen. Sieh doch, da vorne, an der Wurzel.“ Sie kichert.

„Komm Grünling, ich hab eine Idee.“ Elanja bricht auf.

Du folgst ihr, mehr stolpernd als ordentlich gehend und innerhalb von kürzester Zeit pitschnass.

„Dort, siehst du das?“ Sie weist auf einen dunklen Fleck. Du gehst näher.

„Wenn der Wind in den Bäumen weht, ein großes Unheil auf und ab geht.“ Elanja bleibt stehen.

„Ich könnte dir dein Bein abnehmen“, schlägt die Kräuterfrau vor.

„Nein, welch gute Idee! Vielleicht möchtest du mir gleichzeitig auch noch aus dem Baum hier ein Holzbein schnitzen?“

Sie kichert. „Ach, Grünling, dein Humor gefällt mir. Aber nein. Ein Holzbein ist so schrecklich unpraktisch. Beim Tanzen könntest du mir damit auf die Füße treten.“

„Na, dann setz doch deine Zauberkräfte ein, um mich hier herauszuholen.“

„Zauberkräfte? Die Soldaten würden deine Geschichten lieben.“

„Naja, so als Kräuterheilerin weißt du bestimmt einiges.“

„Natürlich. Ich kann dir Cyata-Pilzpulver geben.“

„Und dann?“

„Hören deine Schmerzen sofort auf.“

„Ach ja?“ Du hebst eine Augenbraue.

„Sicher. Deine Atmung auch, aber was macht das schon. Nur ein lästiger, kleiner Nebeneffekt.“ Sie grinst dich an.

In dem Augenblick prasselt es so richtig vom Himmel, als hätte der alle Schleusen geöffnet.

„Sicher, nur allein krieg ich dich da nicht raus!“

Trotzdem versucht sie es, aber es ist genau so. Ihre Kraft reicht nicht und du klemmst fest.

„Sieht so aus, als könntet ihr Hilfe gebrauchen“, erklingt da eine fremde, tiefe Stimme. Ihr dreht euch beide um und seht einen Mann, der sein halbes Gesicht mit einem dunklen Tuch verdeckt hat und eine Kapuze trägt.

„Dann setz mal deine Arme ein, Fremder“, fordert Elanja ihn auf. „Und nimm den Fetzen aus dem Gesicht.“

Der Fremde lacht, hebt den Baum hoch und Elanja hilft dir, herauszurobben. Als du draußen bist, kracht der Baum wieder zu Boden.

„Lass sehen, Grünling.“ Elanja sieht nach deinem Bein. „Ich brauch da erst Wasser.“

„Kommt mit“, erklärt der Fremde und hebt dich ungefragt hoch. Über seine Schulter gelegt trägt er dich bis zu einer Höhle in der Nähe.

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