Das vERMÄCHTNIS der Zauberin
„Ich hatte ihn in letzter Zeit recht lieb gewonnen, so wie einen kleinen Hund.“
Wie würdest du reagieren, wenn du diesen Satz über dich liest?
Im Vermächtnis der Zauberin bleiben die Dinge nicht unbelastet. Falkan nicht und Ola genauso wenig.
Als ich von Katharina gehört habe, dass im Folgeband zwei der vier Meister der Elemente keine Rolle spielen werden, war ich ein wenig traurig, da ich insbesondere Serge sehr lieb gewonnen hatte und mir eigentlich erhofft hatte, über sein Leben zu hören (aber wer weiß, vielleicht tut mir Katharina ja noch den Gefallen).
Ihre Entscheidung war genau richtig! Der Fokus auf Falkan und Ola gibt dem Buch nochmal deutlich mehr Tiefe, als es Teil 1 hatte. Mehr Raum, die Charaktere zu entfalten und ganz dicht an ihnen dran zu bleiben. Es gibt auch Raum für Veränderung und für eine neue wunderbare Figur.

Das Buch ist unwahrscheinlich leicht zu lesen und ich habe es genauso verschlungen, wie den Vorgänger. Es ist ohne Frage young adult und manchmal ging mir die Vorstellung durch den Kopf, wie der gleiche Text wohl wäre, wenn er für ein älteres Publikum geschrieben wäre. Denn ich glaube, dann wäre er deutlich düsterer aufgebaut. Es steckt nämlich wieder ziemlich viel drin in diesen lockeren Zeilen. Viel drin, über das der Kopf nachdenkt.
Wie ist das für jemanden, wenn man reduziert wird auf etwas wie ein Haustier?
Wie ist es, wenn man merkt, dass man nicht loskommt von dem Verhalten, das man sich in einer wirklich gruseligen Lebenssituation antrainiert hat? Wenn das, was Sicherheit und Überleben bedeutet hat, jetzt dazu führt, dass man nicht frei entscheidet, nicht aus den Fesseln kann?
Falkans Schicksal hat mich hart getroffen und gerade der Kontrast zwischen seiner Innensicht und Olas Außensicht hat ganz wunderbar gezeigt, dass wir eben nicht in Köpfe gucken können. Uns fragen sollten, was hinter dem Verhalten unseres Gegenübers steckt, bevor wir es be- und verurteilen.
Ganz hin und wieder hätte ich mir gewünscht, dass die Sprache die Komplexität der Themen etwas mehr aufgreift, aber das ist meiner Meinung nach der Altersgruppe geschuldet. Wie schon oben erwähnt, die gleiche Geschichte mit Erwachsenen statt Jugendlichen und es würde noch einmal deutlich schwerer in einem wirken.
Olas Freundschaft zu Yesche ist angenehm, vielseitig und spannend. Und wie es oft im Leben ist, steht man manchmal zwischen zwei Gefühlen und weiß noch gar nicht so recht, warum.
Mir hat es sehr gut gefallen, dass hier zwei starke Frauen auch ihre Schwächen haben und zeigen und sich gegenseitig auffangen und unterstützen und dabei so viel Energie entwickeln, dass sie auch andere mitreißen können und etwas bewegen können.
Auch die Phantastik kommt nicht zu kurz mit einem Plot rund um die magischen Fähigkeiten nicht nur unserer Protagonisten, sondern auch der Mächtigen in der Welt.
Und eingebettet in all dies wird auch die gesellschaftskritische Seite wie auch in Band 1 nicht vernachlässigt.
Und das Ende? Das Ende ist bittersüß. Ein gutes Ende, bei dem eben nicht alles einfach gut wird und trotzdem das Weiter beginnt. Es hat mich begeistert!
Es ist ein Jugendbuch, das man auch als Erwachsene wunderbar lesen kann. Trotz der dahinter liegenden Schwere ist es eher leichte Kost, etwas, das einen aus dem Alltag herausbringt, in eine phantastische Welt mitnimmt und kurz für einen Moment die lange To-do-Liste vergessen lässt, die immer im Hinterkopf lauert.
Danke, liebe Katharina, dass du mir dein Buch anvertraut hast. Ich habe es genossen, es hat mir viele glückliche Stunden beschert und ich lege jedem ans Herz, es zu lesen, der eine Runde aus dem Alltag entschwinden will!
Hatte ich erwähnt, dass ich gerne mehr hätte?
Ist eine Flucht in ein neues Leben der beste Weg, um mit der Vergangenheit umzugehen? Falkan, ein Feuermagier, trifft bei seinem Aufbruch ins Ungewisse auf Ola, die das Wasser beherrscht.
Um ihre Vergangenheit zu vergessen, reisen sie nach Lesteverra. Doch die ersehnte Ruhe bleibt aus. Stattdessen geraten sie in ein Spiel um Macht, Magie und Manipulation. Falkan kämpft bald um sein blankes Überleben, Ola sucht nach revolutionären Kräften. Doch was können zwei Jugendliche gegen mächtige Adelshäuser tun? Und wieso wird ihre eigene Magie unerwartet zu einer Gefahr?
Ein Fantasyroman, der Macht und Ohnmacht thematisiert und der Frage nachgeht, wie ein junger Mensch voller Gewalterfahrungen in die Zukunft gehen kann.
Das Vermächtnis der Zauberin
„Das Leben ist nicht leicht und sollte nicht leicht sein. Das was geschieht, hat immer Konsequenzen und wir dürfen die Augen nciht davor verschließen, das Macht und Gewalt Auswirkungen haben, die erst Jahre später sichtbar werden – oder aber uns gar nicht erst verlassen. Magie wirkt genauso nach und sollte deswegen nur mit Bedacht und den Regeln der Göttin eingesetzt werden. Ansonsten kann sich schnell etwas verselbstständigen, wie man auch hier wunderbar sieht. Ob sich durch Olas und Falkans Kampf bei den Menschen etwas ändert? Wer weiß das schon. Menschen sind, leider, ziemlich gut darin, sich selbst das Leben schwer zu machen.“
Der Wille der Zauberin
„Was habe ich über Teil 1 noch gesagt? Es liest sich leicht und nicht zu düster, eine ungewohnte Abwechselung aber doch mit einem Hauch Dunkelheit. Nicht schlecht, um sich die Stunden zwischen Würfeln, Arenawetten und Yll zu vertreiben.
Auch auf Band 2 trifft genau das zu. Und es ist ganz wunderbar zu sehen, wie Menschen es immer wieder schaffen, in ihren Strukturen ein natürliches Machtgefälle aufzubauen, in das es ein leichtes ist, hineinzuwirken, um möglichst viel Leid daraus zu ziehen.
Ah Menschleins, ihr macht das Leben für die Magie der Krasos manchmal wirklich zu leicht!“
Über die Autorin
Katharina Fröhlich, geboren 1986, hat Soziale Arbeit studiert und verbringt ihre Zeit damit, kleine und große Menschen ein Stück auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Sie findet, dass fantastische Welten tolle Orte sind, um eine Auszeit von der Realität zu nehmen. Dort können spannende Abenteuer erlebt und faszinierende Figuren kennengelernt werden. Und wer weiß, ob so manche Idee von dort nicht mit in die echte Welt wandert?
Ihr findet sie auch hier auf Instagram: @elementmagie
Du atmest tief durch und kehrst zurück zum Buch der Rezensionen. Oder gönnst du dir einen Stirnheimer Whiskey in Aethels Taverne?
