Leipziger Buchmesse 2026
Andrargs Schriften und meine Con Familie
Die Leipziger Buchmesse 2026 war für mich ein Meilenstein und die Erfüllung eines Traums – Lesung aus Andrargs Schriften vor so vielen Menschen und gleichzeitig habe ich feststellen dürfen, dass es die Begegnungen waren, die sich tief in meinen Erinnerungen verankern und die auch die Zweifel in den Hintergrund drängen.
Die Fahrt startete in der morgendlichen Dunkelheit mit Eis auf der Autoscheibe. Vier Tage Leipzig und zwei Kleinkinder. Das hieß für mich: Logo, ich komme, aber ich nehme meine ganze Familie mit. Und damit mein Mann mit den Kindern nicht in Leipzig allein gestrandet ist, sind auch meine Schwiegereltern mitgefahren. Da braucht es schon einen 9-Sitzer um die Quest „Anfahrt nach Leipzig“ zu bewältigen. Und während die Beschaffung des Fords ziemlich plötzlich doch noch ganz gut geklappt hat, war die Fahrt zumindest für den Großen definitiv das Highlight der Reise.
Als dann die Sonne einmal aufgegangen war, begleitete uns blauer Himmel und besagte Sonne bis nach Leipzig und so kam ich dann Donnerstagmittag auf der Messe an. Donnerstags schrecken einen dort noch keine Massen, wie am Messesamstag, doch voll war es trotzdem und die Koffer schwer und ich war nicht gerade böse, als ich am Stand des Verlag der Schatten ankam.
Der Stand des Verlages der Schatten ist mein Messehafen
Und da stehen sie: Bettina und Tino, meine Con Familie.
Es ist echt unglaublich, dass ich mittlerweile schon seit zehn Jahren mit ihnen gemeinsam die Abenteuer in der Buchwelt erlebe. Für mich war es nicht nur ein Glückchen, dass ich über eine Ausschreibung zum Verlag der Schatten kam, sondern ein Riesenglück, das mich nicht nur mit einer wundervollen Verlegerin und Lektorin beschenkt hat, sondern eben auch mit Freund*innen, die einem Heimat geben, selbst wenn man in der Fremde unter Hunderten und Tausenden Menschen steht.

Hier in diesem kleinen Hafen durfte ich dann also sein, und mit Buchbegeisterten über Wein und Bücher sprechen. Warum über Wein?
Na weil die Sticker für das Schöne Bücher Magazin genau jenes zeigten: Ein Glas Wein. Eine Anthologie des Verlages heißt nämlich Humorvolle Spätlese und besteht aus Fun-tastischen Geschichten rund um das besagte Getränk. Bei uns gab es also keine Sticker, sondern ein Glas Wein – oder für die Nicht-Alkohol-Trinkenden auch ein Glas Traubensaft.
Wirklich eine coole Sache, um ein Gespräch zu eröffnen.
Überhaupt muss ich sagen, dass die Sticker-Sammelaktion und die Jagd nach Stempeln für den Phantastischen Reiseführer lauter wunderbare Begegnungen zur Folge hatten. Denn die Sammelnden kamen ganz von sich aus an den Stand. Bei uns gab es übrigens den Stempel auf Fränkisch. Ist halt ein Risiko, wenn man sich mit einer Verlegerin aus dem Frankenland zusammentut. Passt scho (Für weitere coole Stempelideen, bitte an Bettina direkt wenden, ich kann doch kein Fränkisch, auch nicht nach zehn Jahren). Und natürlich hatten wir auch einen zertifizierten, amtlich beauftragten Stempler vor Ort – ohne Tino geht doch da nix!

Ich weiß nicht ganz, ob ich die richtigen Worte finde, um zu beschreiben, was für ein Gefühl es ist, auf der Leipziger Buchmesse seinen eigenen Roman stehen zu haben. Ihn Menschen in die Hand zu drücken. Glückliche Käufer*innen zu finden und zu signieren. Und dann auch noch die Ehre zu haben, mit diesen neuen Buchbesitzer*innen ein Foto machen zu dürfen. Ich versuche es trotzdem mal. Stell dir vor, du legst dich vor einer Urlaubsfahrt schlafen. Eine Fahrt, auf die du dich unglaublich freust, weil du schon ewig diese Reise machen wolltest.
Monatelang, nein, jahrelang hast du darauf hingearbeitet, gewartet, geplant. Und dann kommt der Morgen und du steigst ins Auto, die Sonne geht auf und es geht endlich endlich los…
Naja ok, ich gebe zu, vielleicht hätte ich jetzt besser was vom Kribbeln im Bauch geschrieben, oder vom rasenden Herz. Von den Tränen in den Augen beim Anblick des Stands. Von der langen ersten Nacht, in der ich wieder und wieder die Fotos auf dem Handy angeguckt habe, damit mein Kopf versteht, dass es wirklich wahr ist.
Oder von Sonnenaufgängen am Strand, die dieses warme Glücksgefühl auslösen. Oder einer Achterbahnfahrt. Ach, ich denke, du weißt, wovon ich rede.
Der erste Tag auf der Messe ging unfassbar schnell um. Nur gut, dass da noch drei kamen.
Begegnungen auf der Leipziger Buchmesse 2026
Nein, ich beschreibe jetzt nicht jeden Tag im Einzelnen, sondern versuche mich auf die besonderen Augenblicke zu konzentrieren. Achtung, es werden viele kleine und große Momente, die mir wichtig sind.
Wie dieser hier:
Eine Gruppe von jungen Schülerinnen taucht auf und bittet um ein Interview.
Halleluja, ihr Lieben, ich weiß nicht, ob ihr ausgerechnet hier in der Düsternis so gut aufgehoben seid, aber natürlich gebe ich euch ein Interview! So autorig fühle ich mich selten. Quasi berühmt.
Witzig, dass meine lieben Interviewerinnen es auf Autor*innen düsterer Texte abgesehen hatten. Ich wüsste ja zu gern, was aus den Interviews resultiert.

Oder dieser Moment hier:
Drei junge Frauen schlendern an den Stand und es stellt sich heraus, dass es drei liebe Bookies sind. So durfte ich Sarah (mit der ich einen Büchertausch gemacht habe, Woodland Queen) und Lilly, mit der ich mich regelmäßig austausche und über deren humorvollen Support ich mich sehr freue, persönlich kennenlernen. Was auf so einer Messe so alles geht…

Das waren nicht die einzigen, die ich zum ersten Mal so ganz fernab der Nullen und Einsen treffen durfte. Draxis tauchte am Stand auf und es stellte sich heraus, dass er ein Grimdark Freund ist. Über den Austausch freue ich mich sehr und bin sehr gespannt auf seine Leseprobe, die schon in meinem Mailfach liegt.
JJraidark, der Düsterpapst, gerade frisch auf Insta kennengelernt, kam doch tatsächlich an zwei Tagen vorbei, weil er mich am ersten nicht erwischt hat. Ich bin immer noch sprachlos. Auch von ihm darf ich lesen, denn ich darf schon mal ankündigen, dass da ein Büchertausch in Planung ist.
Lennox Lethe aus dem Verlag der Schatten hab ich getroffen (wir werden uns in Marburg wiedersehen).
Zwei neue Verbündete: Litha Nova und Cathrin Harrison, konnte ich endlich so ganz in echt in den Arm nehmen. Von diesen beiden werde ich hier noch öfter berichten, denn wir hecken da was aus…
Ganz neue Bekannte wie Niklas, der das Fluchträger Buch geschrieben hat. Auch darauf bin ich sehr gespannt (ich konnte auch hier einen Büchertauschdeal aushandeln 😉 )


Ein besonderes Erlebnis war auch mein Standdienst in der Phantastik Lounge.
Seit vielen Jahren bin ich jetzt Mitglied bei PAN, aber erst durch Corona und dann durch meine Kinder Auszeit bedingt, konnte ich bisher noch gar nicht viel mit den anderen Autor*innen sprechen, mich gar nicht wirklich einbringen. Jetzt hatte ich zwei wundervolle Stunden mit irre coolen Gesprächen, an die ich mich noch lange erinnern werde.
Beim nächsten Mal werde ich mich auf jeden Fall wieder für einen Standdienst melden und ich hoffe, noch viele wundervolle Stunden bei PAN verbringen zu dürfen und meine Kontakte dort auszubauen. Sooo viele tolle Menschen!
Was ich an der Leipziger Buchmesse mag, sind die vielen Cosplayer*innen. Schon 2018, als ich das erste Mal dort war, ist das eine der Sachen, die mich (positiv) überwältigt hat. Ich gebe ja zu, dass ich heute auf Messen in Rüstung herumlaufe, rührt genau von dem Gefühl meiner ersten Leipziger Buchmesse, wo ich die vielen Kostüme sehen durfte und gedacht hab: Will ich auch.
Und es ist so krass, wie oft ich darauf angesprochen wurde, dass mein Outfit toll ist. Scheiße, ich kann echt nur weinen, wenn ich daran denke, so freu ich mich darüber!
Eine (hoffentlich jetzt sehr glückliche) neue Andrargs Schriften Besitzerin gehörte zu ebenjenen, die meine Rüstung gut finden, und wir tauschten uns kurz darüber aus. Da ich danach gefragt worden bin, mache ich jetzt mal ganz unbezahlt Werbung: Die Rüstung stammt von Mytholon und ich bin superglücklich damit!
Odine Raven, deren Buch für den Seraph nominiert war, gehört zu den Autorinnen, die wie ich gelegentlich ihre Lesung mit Gesang begleiten. So haben wir uns auf dem BuCon schon zusammengefunden und durften uns jetzt wiedersehen, mit dem Versprechen, eine Runde Abba auf die Nominierung zu singen. Und das haben wir dann auch direkt getan: Thank you for the music (books), am Stand des Verlags der Schatten. Übrigens ist sie Mitherausgeberin der Humorvollen Spätlese. Odine, ich danke dir für diese coole Aktion und auf der nächsten Messe, wo immer wir uns sehen mögen, gerne wieder!
Keine Leipziger Buchmesse ohne einen meiner ältesten Autorenfreunde: Thomas Karg. Und alt meine ich jetzt nicht, dass er alt ist, sondern dass mich unsere Freundschaft schon seit Beginn meiner Autorinnenkarriere (darf ich so davon sprechen???) begleitet. Er ist so ein dermaßen lieber Kerl, dass es mich immer wieder überrascht, dass er Horror schreibt. Aber bekanntermaßen schließt sich düsteres Schreiben und Lieb sein ja nicht aus. Gleich an zwei Tagen hatte ich das Glück, mit ihm sprechen zu können und freue mich schon riesig auf die Marburg Con, wo wir uns wiedersehen werden.

Meine erste Lesung auf der Leipziger Buchmesse
Tja und dann? Sonntag! Ich war bis Samstag wirklich nicht aufgeregt. Ehrlich. Aber Samstag hatte ich wie schon erwähnt, Standdienst in der Lounge und da blickte ich zwei Stunden lang auf das Schild, das über der Bühne hing, auf der ich am nächsten Tag lesen würde und das hat sich direkt in meinen Magen gegraben. Kribbeln, zittern und eine sehr unruhige Nacht mit den hunderttausend sich wiederholenden Fragen: Was ist, wenn ich es völlig, auf gut deutsch, verkacke…

Aber Zeit bleibt bekanntlich nicht stehen und hin und hergerissen zwischen absoluter Aufregung und irrsinniger Vorfreude stand ich dann da. Ein Stein fiel mir vom Herzen, als es geklappt hat und ich ein Headset bekommen konnte. Denn eine Lesung im Sitzen ist nicht so ganz meine Stärke.
Stattdessen habe ich gemacht, was ich geplant habe. Getrommelt. Und gesungen. Und dann im Stehen gelesen und erzählt.
Ich denke, über mein Lesungslied schreibe ich mal einen eigenen Blog. Übers Lesen überhaupt. Das nimmt jetzt zu viel Raum ein, aber hier findest du das Video.
Drei Wochen ist es jetzt her und ich kann es immer noch nicht wirklich glauben, obwohl ich die Bilder sehe, das Video habe. Ich stand wirklich da, auf der Leipziger Buchmesse und habe gesungen und gelesen. Und das ist eine Erinnerung, die werde ich mein ganzes Leben lang behalten! Danke dafür! Der Dank geht einfach in die Welt, ans Universum, an meine Verlegerin, an alle, die an mich glauben, und einfach an alle. Irgendwie so. (Nach dem Video geht mein Geschreibsel noch weiter, scroll gerne runter.)
Der Zweifler und die Vergleicherin
Ja und das hier wäre kein ehrlicher Blog, wenn ich nicht auch von der Enttäuschung und den Vergleichen berichten würde.
Von dem Moment nach der Lesung, wo ich völlig überwältigt am Stand stand und gewartet habe. Von so vielen hatte ich gehört, dass die Zuhörer*innen den Schreiberlingen gefolgt sind, gekauft haben, sich haben signieren lassen. Und ich stand da. Stille. Leere.
Einer hat mein Glück gerettet. Ein schüchterner Mann, der mir gesagt hat, wie toll er es fand. Der das Buch für seine Freundin gekauft hat. Ich hoffe sehr, dass es ihr gefällt.
Warum diese Leere so stört? Und trotz des einen wunderbaren Menschen, der gekommen ist, sich nach Enttäuschung anfühlt? Weil dann der Zweifler kommt. Dieses pelzige Monster, das in mir wohnt und sich zu Wort meldet, wann immer meine Hoffnungen und Erwartungen nicht getroffen wurden. Ein katzenähnliches Tier auf vier Pfoten mit scharfen Krallen, düster wie die Nacht, unheimlich wie dunkle Musik, mit einer Stimme, die alles durchdringt, selbst den stärksten Schutzschild, den ich versuche aufzubauen und sagt: Es mag keiner, was du machst. Es liest keiner, was du schreibst. Es ist alles Mist.
Ja, so ist der Zweifler. Er redet selbst die goldensten Erinnerungen schlecht und ist wirklich gut darin, Schatten zu säen, wo eigentlich Licht sein sollte.
Unterstützt wird er im Übrigen von seiner Freundin, der Vergleicherin. Ein eulenähnliches Tier, mit Schwingen weit wie ein Adler, die überall hinweisen: Sieh nur, der hat so viel verkauft. Sieh nur, die hat es einfach viel mehr drauf, Leute anzuziehen und ihnen von ihren Büchern zu erzählen. Sieh nur, diese Lesung war viel besser besucht, viel gelungener.

Bevor jetzt jemand auf Ideen kommt, ich mag Katzen wie Eulen sehr gerne, meine kleinen Monstertiere sind eben meine und entspringen meinem verrückten Kopf und haben nichts mit den Tiergattungen zu tun, außer dass ich sie mir so vorstelle.
Tja, was soll ich sagen, ich bin recht bitter von der Messe nach Hause gefahren. Vielleicht hat es deshalb drei Wochen gedauert, bis ich in Worte fassen konnte, was ich erlebt habe. Und auch jetzt sehe ich alles mit gemischten Gefühlen.
Aber ich möchte es nicht missen. Nichts, was Zweifler und Vergleicherin sagen, kann schmälern, was ich erlebt habe. Kann die Begegnungen zerstören, das Glücksgefühl platt machen, wenn ich ein Buch in den Händen eines Lesers platzieren durfte, kann mir zunichte machen, dass ich auf der Bühne stand und gesungen und gelesen habe. Es war ein Abenteuer voller Gefühle!
Danke dir, dass du meinen Worten bis hierher gefolgt bist.
Ich freue mich übrigens immer wahnsinnig über Austausch und ich hoffe sehr, dass dir aufgefallen ist, dass ich mich am meisten über die Begegnungen auf der Messe gefreut habe, mehr noch als über meine eigene Lesung. Solltest du also Freude daran haben, ein paar Worte mit mir zu tauschen, dann schreib mir gerne! Und wer weiß, vielleicht sehen wir uns auf einer der nächsten Messen. Ich würde mich freuen.
Falls du wirklich bei diesem sehr persönlichen Blog durchgehalten hast bis zum Schluss, dann Hütchen ab!
Unsere nächste Begegnung könnte auf dem Marburg Con sein (25.4.).
Außerdem wird so alles klappt noch in der ersten Hälfte des Jahres Band 2 von Andrargs Schriften erscheinen.
Und falls du Lust auf noch mehr von mir und Beormere hast, möchte ich dir mein Patreon ans Herz legen.

Und wenn du bis dahin mehr aus Beormere erfahren willst, empfehle ich dir, in Aethels Taverne zu gehen.
Beormere wächst mit jeder Frage.
Wenn du noch tiefer eintauchen willst – in Andrargs Schriften, die Krasos oder die Unterwelt – dann abonnier den Krasonischen Boten und hilf mir, die Schriften weiterzuschreiben. Oder stell Nerex direkt Fragen. Er liebt es, darauf zu antworten. Meistens reiße ich ihm aber das Blatt aus der Hand und schreibe doch lieber selbst etwas dazu.
