Zwiegespräche in Aethels Taverne
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MOnika und Merfyn
Eine Autorin setzt sich durch
Aethels Taverne – ein Ort am Übergang der Welten. Wo Figuren in die Welt der Schreibenden sehen können, Geschichten daraus mitnehmen und Lieder umdichten. Und wo Schreibende ihre Welt betreten.
Tritt ein, und wenn du Glück hast, kannst du Stimmen lauschen, die noch keiner vor dir gehört hat. Doch Vorsicht, denn manchmal öffnet sich die Tür zur Welt dahinter und was du dort siehst, mag lange in dir nachklingen.
Ein neuer Gast
„Da, sieh nur, ein neues Gesicht.“ Nerex stößt seinen Tischnachbarn an, der die Stirn zusammenzieht, ihm unter den buschigen Augenbrauen einen stechenden Blick zuwirft und ein Stück beiseite rückt.
„So langsam kommen immer wieder Neue, da solltest du dich dran gewöhnt haben.“
„Natürlich, Seelenfinder, aber ich bin mir sicher, die da heckt was aus.“
„Und was Glatzhaar? Es ist übrigens kein rechtes Benehmen, von „der da“ zu sprechen, aber was soll man von einem wie dir nur erwarten.“
Nerex verdreht die Augen, steht auf und stellt sich der jungen Frau in den Weg, die Aethels Taverne betreten hat. Er gestikuliert und redet mit ihr. Sie folgt ihm zurück an den Tisch und setzt sich.
„Ich hab es dir gesagt, Seelenfinder. Sie heckt was aus. Denn nach nur einer Frage war vollkommen klar: Sie kennt Dämonen. Keine Krasos, sondern andere Wesen aus anderen Welten.“
„Und da hast du ihr direkt angeboten, ihr zu dienen?“, spottet Breanos.
„Eher mit mir zu würfeln. Aber mal sehen, ob sie spielen mag.“ Er wendet sich zu der Frau. „Ob du spielen magst, verzeih. Aber bevor wir dazu kommen, sag es Breanos. Äh, das ist der da, dieser etwas übermoralische, em, Seelenfinder, der hier mit uns sitzt. Sag ihm, was du mit Dämonen zu tun hast!“
„Du willst also wissen, was ich damit zu tun habe?“
In dem Moment erscheint Aethel am Tisch. „Ich weiß nicht, ob dieser Tisch die beste Wahl war. Aber kann ich dir etwas bringen?“ Sie überreicht eine Karte.
„Ja, danke“, erwidert die junge Frau. „Ich brauche etwas für meine Kehle und meinen Magen. Also ich nehme … Hmm, was nehm ich denn? Ach ja, den Seelenbrand-Stirnheimer Whiskey und Loranns Dunkles für den Anfang. Und zum Essen den Eintopf vom Bremfleisch.“ Aethel nickt und geht.
„So jetzt können wir uns unterhalten und übrigens ich habe auch einen Namen, nur damit das klar ist Nerex. Du darfst mich Monika nennen.“ Sie lächelt. „Also ich kenne 72 Dämonenfürsten und einen sehr speziellen Dämonenboten namens Merfyn. Kannst dir ja vorstellen, wie es da zugeht. Ich bin permanent damit beschäftigt irgendwen gerade heraufzubeschwören und …“
„Hey, kleine Autorin! Wie kannst du alleine was saufen gehen ohne mich einzuladen?“ Ein weiterer Gast setzt sich unaufgefordert an den Tisch und grinst in die Runde.
„Und manchmal muss ich die gar nicht beschwören, weil sie von alleine auftauchen. So wie er: Merfyn.“
„Hast du schon bestellt?“
„Ja.“
„Das ganze zweimal!“
„Wie wär’s mit einem Bitte?“ Monika verdreht die Augen.
„Ne, heute nicht.“
„Interessant, ihr beiden.“ Nerex’ Augen leuchten. „Wer ist das?“
Monika deutet auf ihren Sitznachbarn. „Der? Er heißt Merfyn und ist ein Dämonenbote. Allerdings glaube ich mittlerweile eher, dass dazu abkommandiert wurde, mir auf die Nerven zu gehen.“
„Hey, das hab ich gehört!“
„Gut.“
„Ein Dämonenbote? Du umgibst dich mit etwas ungewöhnlichen Begleitern, wenn ich das so sagen darf.“ Breanos runzelt die Stirn. „Ich hoffe sehr, bei der Göttin, es bedeutet nicht, was ich befürchte.“
„Ach was“, warf Nerex ein. „Erzähl uns lieber, was dich zum Schreiben gebracht hat und hör nicht auf die moralischen Predigten des Seelenfinders.“
Der Dämonenbote
„Verantwortlich war er hier. Merfyn tauchte irgendwann auf und wollte, dass ich seine Lebensgeschichte erzähle. Aber wer will schon die ganze Zeit davon lesen, dass ein Dämonenbote von einer Schenke in die nächste wandert. Also musste ich da ein wenig tiefer bohren, bis er mit seiner ganzen Geschichte herausrückte.“
„Du hast mich übrigens bis heute nicht dafür bezahlt.“
„Du kriegst regelmäßig deine Colalieferung und jetzt sei still.“
„Du wanderst von Schenke zu Schenke und trinkst Cola? Gibt es nichts Besseres zu trinken? Singst du wenigstens? Würfelst? Jagst anderen Angst ein?“
„Bitte verzeih“, mischte sich Breanos ein. „Mein … hm, Tischnachbar hier hat leider weder die besten Manieren noch wirklich verstanden, worum es im Leben wirklich geht. Ich nehme an, du hast ein höheres Ziel im Leben?“
Monika lacht dermaßen laut, dass die übrigen Gäste zu ihnen blicken.
„Höheres … Ziel“, gluckst sie und schlägt dabei mehrmals auf den Tisch, während sie sich nach immer vor Lachen krümmt.
Merfyn blinzelt einige Sekunden verwirrt, ehe er murmelt: „Ähm … Äh, na ja, also ich hab mir unlängst ein Bällebad gekauft.“
Im gleichen Moment fliegt Monika vom Stuhl.
„Geht’s dir gut?“, fragt Merfyn besorgt.
„Bestens.“
„Alles in Ordnung!“, ruft Merfyn den übrigen Gästen zu und murrt im nächsten Moment: „Du bist dermaßen peinlich für eine Autorin.“
„Und du bist ein Dämon mit einem Bällebad zur Nervenberuhigung.“
Wenigstens schafft Monika es wieder sich auf den Stuhl zu setzen und einigermaßen ernst auszusehen.
Fantasy mit und ohne Spice
Breanos Hände bewegen sich vor seinem Körper. Tippen zur linken Schulter, dann zur rechten. Zum Herz. Er atmet ein und langsam aus. In seinem Gesicht ist keine Regung zu sehen. Doch dann lächelt er freundlich. „Erzähl uns doch, Monika, was hältst du von Fantasy im Allgemeinen und Dark Fantasy sowie Grimdark Fantasy im Speziellen?“
Nerex verdreht die Augen.
„Fantasy ist in meinen Augen ein sehr wichtiges und auch gewichtiges Genre. Die Möglichkeiten sind dabei breit gefächert was das Setting angeht. Naturgemäß hat man aber meist eher sofort so dieses mittelalterliche im Kopf, wenn man zu jemanden Fantasy sagt. Als ich 2011 mit dem Schreiben anfing war der Begriff Grimdark Fantasy keineswegs geläufig. Dark Fantasy schon eher und das haben die meisten in meinem Umfeld dann immer recht schnell mit Apocalypse, Engel und Dämonen in Verbindung gebracht. Heute gibt es da weit mehr SuB-Genres, was die Fantasy, in meinen Augen jedenfalls, ziemlich bereichert hat.
Ich glaube aber auch, dass heute das Hauptproblem beim Begriff Dark Fantasy der ist, dass in solchen Augenblicken sofort die Frage aufkommt, wie viel Spice ist enthalten oder überhaupt wie viel Liebesanteil in der Story. Vor 10 oder 20 Jahren war das nicht der Fall.“
Breanos hebt sein Weinglas, trinkt und setzt es wieder ab. „Nun, sich mit Liebesgeschichten zu beschäftigen ist sicherlich in der Natur des Menschen. Und solang sie das tun, verüben sie wenigstens keine grausamen Taten im Namen des Dunkels.“
Nerex grinst. „Du meinst, im Namen der Liebe sind die Taten von Reinheit durchzogen? Ach Seelenfinder, du weißt selbst, dass gerade die Liebe die Menschen zu den schlimmsten Dingen verführt. Ich persönlich habe nichts gegen Spice. Aber es sollte sich mit der Dunkelheit und der Angst die Waage halten.“
„Nun“, entgegnet Breanos, „vor allem sollte die Geschichte eine Wirkung haben, die über die reine Unterhaltung hinaus geht.“
„Das ist schon mal nicht zu leugnen“, stimmt Monika zu.
„Also ich habe nichts gegen so heiße Szenen.“
„Wissen wir, Merfyn.“
„Hey, du hast damals die Stelle in London eingebaut. Ich wollt gar nicht auf Ariels Busen glotzen.“
Monika wirft ihrem Sitznachbarn einen mürrischen Blick zu, während der Sarkasmus deutlich bei der nächsten Aussage herauszuhören ist. „Nein, genau. Du wolltest ja ganz fest die Augen zu machen. Und die drei Frauen in deinem Bett waren auch reiner Zufall.“
Ein bedeutsames Schweigen breitet sich über dem Tisch aus.
Der kleine Fußabdruck
Nerex setzt an, etwas zu sagen, aber Breanos ist schneller. Begleitet von einem scharfen Blick unter seinen buschigen Augenbrauen, erkundigt er sich – ausgesucht höflich im Ton – bei der Autorin: „Was möchtest du mit deinen Büchern erreichen?“
„Einen Fußabdruck auf der Welt damit zu hinterlassen. Eine Spur, bei der vielleicht irgendwann mal jemand sagt, „Das hat das Genre mitgeprägt oder ausgezeichnet.“
„Das sind aber dann kleine Fußabdrücke.“
„Was?“
„Na du hast kleine Füße.“
„Aha.“
„Und du bist alt.“
„Was hast du gerade gesagt?“
„Du bist alt. Du bist so alt, dass sogar die Zeit noch jung war, als du geboren wurdest und sich wahrscheinlich dachte: „Verdammt ist die Kleine alt.“ Und dann … AUTSCH! Du hast mich geschlagen!“
„Wenn jemand so viel Blödsinn auf einmal redet, ist das echt kein Wunder. Sei froh, dass ich dir nicht noch Schlimmeres antue. Denk an das Buch, das in der Truhe verschlossen ist. Außerdem lautete die damalige Vereinbarung, dass du wegen des Alterungspaktes die Klappe hältst.“
„Aber …“
„Los geh mit dem da spielen und lass mich gefälligst in Ruhe meinen Eintopf essen.“
„Nein, nein!“ Es klimperte. Nerex Hand steckte in seiner Manteltasche. Er beugte sich ganz nah an Monika heran. „Ich glaube beinahe, du bist noch interessanter als, ähm, Merfyn war es, richtig? Gehst du mit allen so um, die dir beim Schreiben begegnen?“
„Das ist jetzt aber keine ernst gemeinte Frage, oder?“
„Der meint es bestimmt ernst“, mischt sich Merfyn ein.
„Klappe“, zischt Monika in seine Richtung, ehe sie Nerex erneut ins Auge fasst. „Was denkst du denn? Glaubst du, ich lasse mir von ein paar Dämonenfürsten auf der Nase herumtanzen? Du hast mich noch nicht mal richtig in Aktion erlebt. Wenn der Erzengel Gabriel mir über den Weg läuft verkriecht er sich unter dem Teppich.“
„Das macht der wirklich“, stimmt Merfyn zu. „Hab ihn dabei mal beobachtet, was echt witzig war, weil es ein Badevorleger war und … Ich halt schon die Klappe.“
„Es sind Dämonen, die muss man an der kurzen Leine halten. Und von ihren Haustieren fang ich da gar nicht erst an. Versuch mal einem Engel zu erklären, warum er sich von einem Drachen die Haare ansenken lassen soll und das auch noch hinnehmen ohne besagten Dämonenfürsten und Drachen mal eben um die Ecke zu bringen? Und die Regenten der Hölle? Die sind noch schlimmer. Die Typen kommen auf Einfälle, wenn man die nicht im Auge hat, das glaubt man nicht. Oder kannst du dir vorstellen, dass jemand wie Luzifer seine Sonntage damit zubringt vor dem Fernseher zu hocken und Teleshopping zu sehen? Weißt du, wie viele Bratpfannen ich mittlerweile zu Hause habe? Ich mehr als ein Küchenstudio damit ausstatten.“
„Vergiss nicht ihre Abneigung gegen Katzen“, wirft Merfyn ein.
„Die hast nur du. Und wenn jetzt sonst nichts mehr ansteht, dann will ich in Ruhe meinen Eintopf essen. Und ich brauch noch zwei Gläser von dem Seelenbrand-Stirnheimer Whiskey! Ach vergiss es, ich nehm gleich die ganze Flasche.“
„Du hast das Bitte vergessen“, wispert Merfyn und kassiert dafür sogleich einen heftigen Schlag auf die Nase.
Breanos erhebt sich. „Ich wünsche dir noch einen guten Appetit, Monika. Ich fürchte, meine Aufgaben erfordern meine Anwesenheit. Aber ich denke, ich werde noch von dir lesen.“ Er verbeugt sich kurz und geht.
Nerex grinst. „Der alte Mann geht bestimmt in seinen Tempel und betet zu seiner Göttin. Als ob Esilia die Welt davon befreien würde, dass es Dämonen gibt.“ Seine Würfel klimpern in seiner Hand. „Komm Merfyn, lassen wir Monika essen. Ich weiß da einen guten Ort, wo wir hingehen können.“
Vielen Dank an Monika Grasl – und Merfyn – für das sehr unterhaltsame Gespräch!
Wer mehr über sie wissen will, kann hier nachsehen: Höllenküche
Die Worte und Meinungen meiner Figuren sind deren Meinung und bewusst teilweise pointiert und hart gehalten. Sie entsprechen NICHT meiner persönlichen Meinung!
Über Monika
Geboren in einer stürmischen Herbstnacht des Jahres 1986 erkannte ein kleines Teufelchen namens Monika Grasl sehr schnell die Liebe zu Büchern. Irgendwer fütterte sie beständig mit Wissen, vermutlich handelte es sich dabei um einen teuflischen Gehilfen. Mit einem solch dämonischen Abkömmling in Katzenform teilt sich die kleine Autorin eine Wohnung in Wien, welche für 3 Monate im Jahr Dantes sieben Höllenkreisen gleicht. Danach kommen aus der eigens eingerichteten Schreibhöhle neue Geschichten hervor. Wobei sich die Autorin manchmal fragt, ob nicht mehr als 72 Dämonenfürsten in ihrem Verstand wohnen. Wahrscheinlich sind es bedeutend mehr.
Die Chronik der Dämonenfürsten – Band 1: Die Engel des Todes

Die Studentin Evy Munro leidet an Lungenkrebs. Doch das ist nicht ihr einziges Problem, denn ihr verhasster Nachbar Vincent stellt sich plötzlich als ihr persönlicher Engel des Todes vor, der ihr dabei helfen soll, mit ihrem Leben abzuschließen.
Obwohl Vincent nichts Genaues von seinem Vorgesetzten Azrael erfährt, ahnt er schnell, dass hinter diesem Auftrag noch viel mehr steckt. Als Dämonenboten auftauchen und Jagd auf Evy machen, wird ihm klar, dass der Dämonenfürst Dantalion Krieg in die Welt bringen will. Dafür muss er Evys Seele vernichten, die laut einer Prophezeiung verhindern könnte, dass die Kreaturen der Hölle die Erde betreten. Doch auch Azrael braucht ihre Seele.
Muss sie aber wirklich geopfert werden, um die Menschheit vor dem drohenden Krieg zu bewahren? Gibt es keine andere Möglichkeit, Dantalion am Ausbruch zu hindern?
Erschienen im Shadodex – Verlag der Schatten
ISBN: 978-3-946381-14-3
ISBN (epub): 978-3-946381-16-7
ISBN (mobi): 978-3-946381-15-0
Beormere wächst mit jeder Frage.
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